Berlin - Wenn Alfred Hitchcock eine Komödie gedreht hätte, dann wäre vielleicht so etwas wie „Shiva Baby“ entstanden. Im ausgeklügelten Spielfilmdebüt der 25-jährigen Regisseurin Emma Seligman strauchelt die bisexuelle Studentin Danielle (Rachel Sennott) durch eine jüdische Trauerfeier, wo sie sich mit Fragen wie „Warum bist du so dünn?“, „Warum hast du noch keinen Freund?“ oder „Wie geht es nach dem Studium weiter?“ konfrontiert sieht. 

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Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.

Am 12./13. Juni 2021 im Blatt: 
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Ihre liebevollen Eltern haben zwar ein paar Standard-Antworten mit ihr einstudiert, damit sie sich vor der ganzen Familie nicht blamiert, doch Danielle hat eigentlich ganz andere Probleme. Vor ihrer Ankunft war sie noch bei ihrem Sugar-Daddy Max, und ausgerechnet dieser erscheint zur selben Versammlung mit Frau und Kind.

Danielle ist sichtlich eifersüchtig, wenige Stunden nachdem dieser illoyale Typ ihr noch teure Geschenke nach dem Geschlechtsverkehr gemacht hatte. Und was das Fass endgültig zum Überlaufen bringt: Danielle begegnet ihrer Ex-Freundin Maya (Molly Gordon). Das Chaos ist perfekt.

Mit „Shiva Baby“ inszeniert Seligman intelligente Situationskomik, die auch ohne ganz große Lacher auskommt. Es handelt sich hier um einen ruhigen, raffinierten Film, der vor allem von Danielles innerer Gefühlswelt erzählt. Um ihre Klaustrophobie und Beklemmung  zu betonen hat Ariel Marx eine besonders nervenauftreibende Hintergrundmusik für den Film geliefert.

Danielle ist gefangen zwischen Max und Maya, ihr Doppelleben könnte jederzeit auffliegen (vor allem wenn sie der misstrauischen Frau von Max gegenübersteht). Mit dieser Prämisse und der Erwartungshaltung der Zuschauer zu spielen bereitet der Regisseurin sichtlich großen Spaß. Hier ist nichts voraussehbar und so fällt auch das Ende alles andere als klassisch aus. Ein beachtliches Debüt! 

Shiva Baby kann auf der Filmplattform MUBI abgerufen werden

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