Berlin - Auch wenn das Brandenburger Tor einsam und verlassen die Stellung hält, legte der neue Pariser Platz mitsamt des 1997 fertiggestellten Hotel Adlon 2.0 ebenso den Grundstein für die große stadtplanerische Verschlimmbesserung der Hauptstadt wie der Potsdamer Platz. Hier wurde der Wille vollendet, Berlin nach der Wende zu einer vibrierenden Weltmetropole zu machen. Ausdruck dieser Sehnsucht ist das Hotel, das heute zur Kempinski-Gruppe gehört. Wer in diesen Tagen die schludrig gekleideten Portiers am Haupteingang Unter den Linden passiert und einen kleinen Gang durch das Innere des Hotels unternimmt, der wird die niedrige Deckenhöhe feststellen und: Der Lack ist schon nach 24 Jahren ab. Denn die Teppiche haben Flecken und überall blättert und bröckelt es. Die Gesellschaft in der Hotellobby ist Ausdruck dessen: süddeutsche Rentner – er mit Anglerweste, sie mit weißer Caprihose, geblümter Bluse aus dem Teleshop und raspelkurzen roten Haaren – und reiche Besucher aus dem Morgenland.

Doch auch wenn einem dämmert, dass dies nicht das erste Haus (war es auch früher nie, aber das ist eine andere Geschichte) am Platze ist, der Mythos Adlon verpflichtet zu einem Imbiss. Schließlich wirbt das Hotel auf der Website mit dem „Signature dish“ Currywurst (inkl. Pommes und Milchbrötchen für 17 Euro). „Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland schätzungsweise 850 Millionen Currywürste verspeist – und allein 6136 Stück davon im Hotel Adlon Kempinski. Die Adlon-Currywurst gibt es schließlich nur am Pariser Platz, denn die genaue Rezeptur der Soße ist ein wohlgehütetes Geheimnis“, schreibt das Management.

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