Berlin - Während meines Studiums der Vergleichenden Religionswissenschaften hatte ich einen Lieblingsprofessor. Er benutzte geschlechtergerechte Sprache, lange bevor im Internet darüber gestritten wurde. Bei einem unserer Flurgespräche sagte er: „Ich wüsste zu gerne, woher der Frauenhass weltweit kommt. Sie finden diese Abwertung des Weiblichen in allen Weltreligionen. Und selbst in Stammesgesellschaften. Aber warum?“

Dass Männer bzw. ein Übermaß an „Männlichkeit“ das größte Problem unseres Planeten ist, gilt heute in vielen feministischen Debatten als gesetzt. Warum es so gekommen ist, bleibt aber weitgehend unklar. Genau genommen kommt ein großer Teil der Feministinnen in Erklärungsnot: Wenn das soziale Geschlecht nur ein Konstrukt und der biologische Unterschied so fließend wie unerheblich ist, wie kam es dann dazu, dass ein Geschlecht alle anderen unterdrückte? Haben sich die Männer selbst konstruiert? Aus welchem Antrieb heraus, wenn „Männlichkeit“ doch erst konstruiert werden musste? Judith Butlers poststrukturalistische Geschlechtertheorie gibt keine Antwort. Bei ihr ist selbst das biologische Geschlecht ein Effekt von Machtdiskursen, der „heterosexuellen Matrix“.

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