Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat viele Menschen überrascht. Wochenlang hat der russische Staatspräsident Wladimir Putin seine Truppen an der ukrainischen Grenze stationiert und mit allen Säbeln gerasselt. Und doch haben viele Beobachter gedacht, dass er nur sehr hoch pokert und den Westen bei diplomatischen Verhandlungen zu Zugeständnissen zwingen will. Heute wissen wir: Putin hat nicht geblufft. Seine Geschichtsreferate zeigen auf, dass er aus Russland eine neue Sowjetunion machen möchte, ein großes Neurussland, eine Supermacht.

Welche geopolitische Strategie verfolgt Putin dabei? Welchem Kalkül folgt er? Wer eine Antwort auf diese Fragen sucht, sollte unbedingt die neue Arte-Dokumentation „Putin: Die Rückkehr des russischen Bären“ schauen. Dort wird minutiös aufgeklärt, welche Schritte Wladimir Putin verfolgt. Ein wichtiger Baustein dabei: seine Rede bei der Münchner Sicherheitskonferenz von 2007. Dort hat er seine Frustration gegenüber dem Westen zum Ausdruck gebracht. Putin sagte, dass die USA den Russen ihren Willen aufdrängen würden. Er versprach, dass er diesen imperialen Anspruch stoppen wolle. Seit 2008 geht Putin konsequent gegen die Interessen der Nato und der USA vor, indem der russische Präsident Verbündete in Asien, aber auch in vielen Regionen Afrikas sucht.

Demokratische Prinzipien sind nicht die Bausteine von Putins Macht

Insbesondere der russische Einsatz in Syrien als Solidaritätseinsatz mit Assad, und das russische Engagement in Nordafrika haben Russland – vor allem wegen der russischen Rüstungsindustrie – zu einem Big Player, einer neuen imperialen Macht aufsteigen lassen. Diese Dokumentation erklärt es: Putin will im geopolitischen Kräftemessen mitspielen, und das tut er erfolgreich. Rechtsstaatliche Prinzipien (oder demokratische Allianzen) sind nicht die Bausteine, die in diesem Kampf eine Rolle spielen.

Putin - Die Rückkehr des russischen Bären“, arte-Mediathek oder YouTube, bis 17. März 2022 verfügbar.

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.