Berlin - Bereits als junges Mädchen musste ich mir von meiner Mutter anhören, dass ich mich mehr wie eine Frau benehmen sollte: weniger wild, rebellisch, laut – einfach angepasster. Ich war ein Papa-Kind und sah in ihm mein Vorbild. Meine Mutter verkörperte für mich Eigenschaften, die ich als schwach, abhängig und bedürftig empfand. Es war das klassische Familienbild: Mama macht Haushalt, Papa bringt Geld nach Hause. Sie führten zwar eine harmonische Ehe. Aber meine Mutter wirkte auf mich einfach nie wirklich frei. Sie hatte die Eigenschaften, die das Patriarchat ihr abverlangte, verinnerlicht. Sie kannte es nicht anders, hinterfragte es aber auch nicht. Das machte mich manchmal sehr sauer – oder, besser gesagt: traurig.

Erst nachdem ich mich das erste Mal in eine Frau verliebte und die Vorzüge beim Sex in vollen Zügen genoss, fing ich endlich an, mich mit meiner Weiblichkeit in Verbindung zu setzen und ein Geschenk darin zu sehen, eine Frau zu sein. Ich ließ meine weiche Seite immer mehr zu und bemerkte, wie wertvoll und schön Empfindsamkeit sein kann. Und wie wunderschön jeder Körper ist, egal ob er fernab der gesellschaftlichen Norm liegt oder ihr entspricht. Schön, so lernte ich mit der Zeit, ist, was du selbst als schön empfindest. Mein Selbstwertgefühl und meine Körperwahrnehmung haben sich durch das Daten von Frauen zum Positiven verändert. Aber das war ein langer Prozess.

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