Eigentlich ist dieser Fall schon nach neun Sendeminuten geklärt. Denn der Mann, der in Rage seine untreue Gattin und deren Freundin erstochen und danach die Polizei gerufen hat, sitzt noch blutüberströmt neben den Leichen in seinem Eigenheim und gesteht die Tat. Doch einige Monate später erleben Polizei und Staatsanwaltschaft vor dem Wiener Gericht eine böse Blamage: Ein aaliger Staranwalt (Julian Loidl) plädiert erfolgreich auf Unzurechnungsfähigkeit seines Mandanten. Eine Mordanklage scheidet also aus, eine andere Anklage aber war gar nicht gestellt worden.

Der Angeklagte (Johannes Zeiler) scheint es gar nicht zu fassen, dass er das Gefängnis verlassen darf – während Sonderermittler Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) meint, dass Typen wie der arrogante Anwalt „aus dem Verkehr gezogen werden müssten“. Am nächsten Morgen müssen Eisner und seine Kollegin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) den nächsten Tatort aufsuchen: Der Anwalt liegt erschossen in seinem Büro. Die Todesstrafe für den Freispruch?

Ferdinand von Schirach kann es besser

Das Spiel mit juristischen Paradoxien und Spitzfindigkeiten ist ja eigentlich eine Domäne von Ferdinand von Schirach, der daraus fast ein eigenes Genre entwickelt hat. Das Autorenduo Robert Buchwentner und Karin Lomot will offenbar auf dessen Spuren wandeln. Doch der Fall „Alles was Recht ist“ ist längst nicht so clever gebaut wie von Schirachs verdichtete Stücke. Vielmehr verzetteln sie sich, leider „Tatort“-typisch, und versuchen, den Zuschauern nacheinander möglichst viele Verdächtige anzubieten.

Eine Figur, die Kontakte zum Angeklagten wie zum Anwalt hatte, ist ein guter Bekannter der Wiener „Tatort“-Historie: Simon Schwarz kreuzt nach einigen Jahren Abstinenz mal wieder als „Inkasso-Heinzi“ auf, und Eisner erfährt endlich, warum sich Bibi Fellner so eng mit dem kriminellen Kerl verbunden fühlt. Beide sinnieren in ruhigen Momenten über Werte wie Freundschaft und treffen sich, wie ihre Kölner Kollegen, auf eine Wurst im Stehen – das monumentale Wandbild über der „Wiener Würstelbude“ bleibt das auffälligste Bild des gesamten Films. Doch der Fall, der besonders paradox sein will, bleibt einfach nur umständlich – die Schluss-Szene zeigt den seltsamsten Täter der letzten Jahre.

Wertung: 2 von 5 Punkten

Tatort: Alles was Recht ist, So, 3. April, 20.15, ARD

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.