Berlin - Sonderermittler Moritz Eisner geht schwitzend einen schweren Weg durch ein Bürohaus. Der Oberstleutnant aus Wien muss eine Wartenummer ziehen und sich bei der Beraterin im Arbeitsamt vorstellen. Gefragt, warum er nach 35 Dienstjahren hier lande, antwortet er: „Weil ich meinen Job gemacht habe!“

Diese Einleitung und der drohende Titel „Verschwörung“ bauen erst mal einen großen Spannungsbogen auf. Immerhin ist Harald Krassnitzer als Eisner seit 1999 im „Tatort“-Dienst, „Verschwörung“ ist sein 51. Fall. Dann springt der Wiener „Tatort“ eine Woche zurück, zeigt, wie ein Mann beim Joggen im Wald Halluzinationen bekommt, sich von zähnefletschenden Hunden verfolgt sieht und schließlich tot am Boden eines nahen Steinbruchs liegt.

Verwickelt in anrüchige Immobiliendeals

Der Tote war Referatsleiter im Innenministerium und bestens vernetzt. Auswärtige Kollegen von Eisner, sein opportunistischer Vorgesetzter Oberst Rauter (Hubert Kramar) und der aalglatte Nachbar des Toten, der Chef eines dubiosen Sicherheits-Lobbyvereins (Matthias Franz Stein), drängen darauf, die Ermittlungen schnell einzustellen. Und natürlich macht der Innenminister wieder mächtig Druck.

Eisner, der eigentlich nach Den Haag wechseln wollte, und seine Kollegin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) knien sich umso tiefer in den Fall hinein und entdecken immer mehr Verdächtiges: Der Tote hatte Ephedrin im Blut, das als Dopingmittel dienen kann, er war verwickelt in anrüchige Immobiliendeals, zusammen mit seinem Nachbarn, dem Mann vom Sicherheitsverein.

Ein paar lockere Szenen

Doch der aufgebaute Spannungsbogen hält nicht das, was er verspricht. Zu routiniert sind die vielen Spuren ausgelegt, zu sehr inszeniert Regisseurin Claudia Jüptner-Jonstorff in ihrem „Tatort“-Debüt nach Schema F. Über eine Verbindung von Sicherheits-Lobbyisten und Innenpolitikern hat erst vor vier Monaten der Ludwigshafener „Tatort“ spekuliert. Das Gefühl, dass Eisner und Fellner überall beobachtet würden, bleibt vage.

Dafür gelingen dem Duo ein paar lockere Szenen, etwa als sie im Wirtshaus ein altes Ehepaar spielen oder als Eisner mit einem fremden störrischen Pudel bei einer Tierärztin „undercover“ recherchiert. Dass er nach seiner Suspendierung weiter ermittelt, ist selbstverständlich – dieses Motiv ist längst abgenutzt. Auf den Polit-Thriller und die angekündigte große „Verschwörung“ wartet man jedenfalls vergeblich.

Wertung: 2 von 5 Punkten

Tatort: „Verschwörung“, So, 9.5., 20.15, ARD

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