Ein Einbrecher (Jason Segel) wird in einer Hacienda im sonnenverwöhnten Ventura County, einem kalifornischen Anbaugebiet für Orangen, vom Besitzer des Anwesens und seiner Frau überrascht. Der IT-Milliardär (Jesse Plemons) und die snobby Gattin (Lily Collins) indes geraten kaum in Aufregung, als sich herausstellt, dass der Gauner es nicht nur auf den obligatorischen Schmuck abgesehen hat, sondern nun auch noch eine größere Summe fordert.

Das englische Wort Windfall bedeutet so viel wie Glücksfall, ist aber auch eine Bezeichnung für Fallobst. Der gleichnamige Thriller ist eher letzteres. Schade, denn die Story ist so klassisch wie unkaputtbar: ein Kammerspiel, hier mit Ménage-à-trois, das Potenzial für einen wunderbaren Spannungsbogen böte. Aber so eine Versuchsanordnung muss man beherrschen, und Charlie McDowell, schon 2017 mit der sämigen Sci-Fi-Romanze „The Discovery“ unangenehm aufgefallen, scheint einfach nicht inspiriert genug, daraus einen Thriller mit Klasse zu machen.

Warum?

Aus dem Raubversuch wird ein Wochenende, das das Trio gemeinsam verbringen muss, denn auch einem Milliardär scheint es nicht möglich, mal eben außerhalb der Bank-Geschäftszeiten an Kohle zu kommen. So weit, so unglaubwürdig, genauso wie die Tatsache, dass ein Anwesen von der Größenordnung eines Feriendorfs, Orangenhain inklusive, von niemandem bewacht wird.

Nur das angenehme Geblendetsein vom David-Hockney-haften warmen Licht der kalifornischen Sonne kann davon abhalten, schon nach wenigen Minuten einzuschlafen. Denn was ganz im Stil Alfred Hitchcocks konzipiert ist, entpuppt sich schnell als ödes Gähnfest, dessen Charaktere in keiner Minute aus den Puschen kommen.

Das namenlose Trio agiert so trocken aneinander vorbei, dass man die meiste Zeit das Gefühl hat, Menschen, die man weder kennt noch sonderlich interessant findet, bei einem Plausch zuhören zu müssen. Kleine Fluchtversuche werden vereitelt, und irgendwie kommen dann doch Geld und Gewalt ins Spiel, aber das Ganze ergibt kein einheitliches Bild. Ständig fragt man sich, warum hier niemand in Panik gerät, wieso jemand mit einem Vermögen in der Größenordnung eines Bill Gates nicht geortet oder gerettet werden kann. Warum ist der Gangster so bräsig, und wann geht diese kalifornische Sonne endlich unter? Als sie es dann tut, wird es leider auch nicht spannender. „Windfall“ ist ein Möchtegern-Krimi ohne jeden Reiz und ohne jegliche Suspense; und wären da nicht die wunderbar-bizarre Landschaft Kaliforniens und ein Anwesen, das man zu gern selbst bewohnen möchte, dann gäbe es keinen Grund, sich diesen Film anzusehen.

Wertung: Einer von fünf Punkten

Windfall, Spielfilm, 2022, 92 Minuten, R: Charlie McDowell, Netflix


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