Israel sieht im aktuell aufgeflammten Nahost-Konflikt die Wiederherstellung der Ordnung im Inneren des Landes und die „Abschreckung“ gegenüber der Hamas und anderen radikalislamischen Gruppen in Gaza als seinen Hauptfokus. In zahlreichen Städten Israels ist es in den vergangenen Tagen zu schweren Ausschreitungen gekommen. Aus dem Gaza-Streifen wurden mittlerweile fast 2000 Raketen auf Israel abgefeuert. Israel antwortete seinerseits mit militärischen Aktionen und Luftangriffen in Gaza.

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„Wir sind sehr besorgt über die Ausschreitungen in bestimmten Städten Israels“, sagte Jeremy Issacharoff, israelischer Botschafter in Deutschland, der Berliner Zeitung: „Es gibt seit vielen Jahren ein friedliches und wachsendes Zusammenleben von Juden und Arabern in diesen Städten. Die israelischen Araber spielen auch zunehmend eine wichtige Rolle im politischen Diskurs unseres Landes. Premierminister Benjamin Netanjahu hat an alle israelischen Bürger – Juden und Araber gleichermaßen – appelliert, jedwede Form der Gewalt zu unterlassen.“

Issacharoff sagte, die Lage sei „fließend“. Issacharoff sieht „kein baldiges Ende der Raketenangriffe auf Israel“. Er erwartet, dass „es mehr Zeit brauchen wird, bis die Situation wieder unter Kontrolle kommt“. Issacharoff: „Unser Hauptziel ist es, die eigene Bevölkerung zu schützen und uns zu verteidigen, indem wir die Raketen abfangen. Gleichzeitig müssen wir sicherstellen, dass die militärische Infrastruktur der Hamas so außer Gefecht gesetzt wird, dass zukünftige Angriffe durch Abschreckung  verhindert werden.“

Issacharoff weist darauf hin, „dass die Hamas ihre Raketenstellungen bewusst in zivilen Wohngebieten errichtet. Sie verwenden ihre eigene Bevölkerung als menschliche Schutzschilde.“ Israel „geht fest davon aus“, dass „20 bis 30 Prozent der Hamas-Raketen auf palästinensischem Gebiet einschlagen“. Der Botschafter: „Mindestens neun palästinensische Kinder wurden von Raketen der Hamas getötet, die auf ihrem eigenen Territorium explodiert sind.“

Obwohl der Iran und die Hamas langfristig eine gemeinsame Strategie verfolgen und die Hamas nicht ohne Hilfe des Iran solche militärischen Fähigkeiten hätte, sieht Issacharoff die aktuellen Auseinandersetzungen als einen eher lokal begrenzten Konflikt. Der Botschafter ist der Auffassung, „dass es für Israel entscheidend ist, seine Bevölkerung zu schützen und die Hamas von weiteren Angriffen abzuhalten“.

Issacharoff sagte, die Unterstützung aus Deutschland sei „herausragend“ gewesen: „Ich würde mir wünschen, dass auch andere Staaten der EU ähnlich reagieren wie Deutschland.“ Er sei zuversichtlich, dass die deutschen Sicherheitsbehörden dafür sorgen würden, dass in Deutschland antisemitische Ausschreitungen verhindert werden. Er habe mit Politikern und hochrangigen Sicherheitsbeamten über die Vorfälle gesprochen und „mir wurde versichert, dass die deutschen Behörden alles tun werden, um der jüdischen Gemeinde in Deutschland den größtmöglichen Schutz zu bieten“.