Berlin - Wann haben Sie das letzte Mal zu Hause ein richtiges Brathähnchen gemacht? Das ist, vermute ich, schon sehr lange her. Ihr letztes Hähnchen stammte wahrscheinlich – wie meins übrigens – aus dem Hähnchenwagen, der jeden Sonnabend vor dem Baumarkt steht. Das ist ein Erlebnis, klar. Aber ich habe etwas Besseres für Sie. Besorgen Sie sich ein richtig gutes Hähnchen und machen Sie das beste, einfachste und auch noch köstlichste Huhn selber im Ofen zu Hause.

Bei meinem letzten Mal kam das Huhn (der französischen Rasse Bresse-Gauloise) dafür von Lars Odefey aus der Nähe von Uelzen in Niedersachsen. Warum? Der junge Landwirt Odefey macht derzeit wohl mit die besten Hühner Deutschlands. Er hat mehrere deutsche und französische Rassen, die bei ihm in der freien Wildbahn aufwachsen und wirklich ein herrliches Leben haben. Odefey verkauft seine Hühner mit Kopf und Ständern, aus den beiden Teilen kann man eine wunderbare Brühe kochen. Das haben auch die Spitzenköche in Berlin erkannt. Billy Wagner und Micha Schäfer vom Nobelhart & Schmutzig etwa kochen mit Odefeys Hühnern. Sie sind derzeit in der Hauptstadt also mit Abstand the hottest chicks in town!

Berliner Verlag/Stephanie F. Scholz
Die Wochenendausgabe

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.

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Und wie sollen Sie sie jetzt zubereiten? Dafür habe ich mein Lieblings-Vogel-Rezept ausgesucht. Es stammt von der 2013 verstorbenen, legendären italo-amerikanischen Köchin Marcella Hazan und ist für mich der Hühnerklassiker schlechthin. Mit einem guten Huhn kann dieses Rezept nicht schiefgehen und gelingt totsicher. Mein persönlicher Tipp: Legen Sie vor dem Garen noch ein frisches großes Basilikumblatt zwischen Brusthaut und Brust. Sie werden es nicht bereuen!

Imago
Glückliche Hühner schmecken: Das haben inzwischen auch Spitzenköche erkannt.

Zitronenhuhn aus dem Ofen à la Marcella Hazan

Zutaten: 1 Huhn oder Hähnchen 1,5 bis 2 Kilo, 2 kleine Biozitronen, Salz, Pfeffer aus der Mühle.

Zubereitung: Heizen Sie den Ofen auf 180 Grad vor. Waschen Sie das Huhn gründlich mit kaltem Wasser. Lassen Sie das Huhn circa 10 Minuten auf einem leicht gekippten Teller liegen, damit das gesamte Wasser aus dem Huhn ablaufen kann. Tupfen Sie es mit einem Tuch oder Papiertüchern gründlich trocken.

Bestreuen Sie das Huhn großzügig mit Salz und schwarzem Pfeffer und reiben Sie es mit den Fingern innen und außen ein. Rollen Sie die Zitronen auf einer Arbeitsplatte hin und her, während Sie mit der Handfläche festen Druck ausüben (Achtung: Zitronen sollten nicht platzen!). Stechen Sie die Zitronen an mindestens 20 Stellen mit einem stabilen runden Zahnstocher oder einer Gabel ein.

Geben Sie beide Zitronen in die Bauchhöhle des Vogels. Verschließen Sie die Öffnung mit Zahnstochern oder Bindfaden und binden sie die Beine leicht mit Faden zusammen. Wenn die Haut unversehrt ist, wird sich das Huhn beim Garen aufblähen, und die Schnur dient nur dazu, die Schenkel daran zu hindern, sich auseinanderzuspreizen und die Haut zu zerreißen.

Legen Sie das Hähnchen mit der Brust nach unten in einen Bratentopf. Geben Sie kein Bratfett hinzu. Drehen Sie das Huhn nach 30 Minuten um, sodass die Brustseite nach oben zeigt. Wenn die Haut intakt bleibt, schwillt das Huhn wie ein Ballon an.

Garen Sie weitere 30 Minuten, drehen Sie dann das Ofenthermostat auf 200 Grad hoch und garen Sie weitere 20 Minuten. Rechnen Sie mit einer Gesamtgarzeit von 20 bis 25 Minuten je Pfund.

Lassen Sie die Zitronen im Inneren, bis der Vogel tranchiert ist. Der Saft, der herausläuft, ist absolut köstlich.

Kochbuch: Die klassische italienische Küche von Marcella Hazan, Echtzeit Verlag 2017, 54 Euro.

Odefey & Töchter: Mehrer Str. 1, 29525 Uelzen, Bresse-Gauloise-Huhn 34,90 Euro.

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.