Hätte jemand unter den Kennern der bundesdeutschen Anwaltsszene eine Umfrage gestartet, wer hierzulande prädestiniert sei, den NSA-Enthüller Edward Snowden juristisch zu betreuen, der Name des Berliner Anwalts Wolfgang Kaleck hätte wohl ganz oben auf der Liste gestanden. Seit Jahren schon hat sich der 53-jährige Kreuzberger einen Namen gemacht als Menschenrechtsanwalt und als Spezialist für Klagen gegen Mächtige.

Über Deutschland hinaus sorgte er für Aufsehen, als er 2006 Anzeige gegen den damaligen US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erstattete wegen Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen in dem irakischen Gefängnis Abu Ghraib. Das war damals kurz vor der Sicherheitskonferenz in München. Rumsfeld drohte mit Absage. Der Generalbundesanwalt wies die Anzeige ab – und wurde dafür von einem UN-Sonderberichterstatter der mangelnden Unabhängigkeit der Justiz gerügt.

Nun ist Wolfgang Kaleck gerade aus Moskau zurück gekehrt. Gemeinsam mit einem Team der American Civil Liberties Union in New York hat er Edward Snowden besucht und wird ihn, natürlich, vertreten, sollte der Whistleblower in dem geplanten Untersuchungsausschuss des Bundestages befragt werden oder nach der möglichen Einleitung eines Ermittlungsverfahrens von der Generalsbundesanwaltschaft. In einem Gespräch mit dem Tagesspiegel bekundet Kaleck seine Hochachtung vor dem jungen Amerikaner: „Er tut das alles um den Preis der beruflichen und persönlichen Existenz. Ich empfinde es auch als Ehre, für ihn arbeiten zu dürfen, auf so einen Menschen stößt man nicht allzu oft.“ Kaleck beschreibt Snowden als Überzeugungstäter, als einen, dem es um die Sache geht. So wird auch der anerkannte Fachanwalt für Strafrecht selbst oft beschrieben.

Asyl für Snowden

Aufgewachsen in einem weltoffenen Elternhaus in Jülich bei Aachen absolvierte der angehende Jurist nach dem Studium in Bonn bereits einen Teil seines Referendariats bei einer Menschenrechtsorganisation in Guatemala. 1991 gründete er in Berlin seine erste Kanzlei, im damaligen Haus der Demokratie in der Friedrichstraße, wo auch die Bürgerrechtsgruppen der DDR logierten. Kaleck vertrat Bürgerrechtler, später Opfer rechter Gewalt in Ostdeutschland. Ende der 90er Jahre engagierte er sich für die Strafverfolgung von Verantwortlichen der argentinischen Militärdiktatur. 2007 gründete er das Europäische Zentrum für Verfassungs- und Menschenrechte (ECCHR) mit Sitz in Kreuzberg, dessen Generalsekretär er seither ist. Darüber hinaus ist er Mitglied in einer großen Anwaltskanzlei in Berlin-Mitte.

Von Bekannten wird Wolfgang Kaleck, der auch Spanisch spricht, als furchtlos beschrieben. Als Weltreisender in Sachen Menschenrechte. Als einer, der sich seiner Sache ganz und gar verschrieben hat. Vielleicht sind die Chancen für Edward Snowden, doch noch in Deutschland Asyl zu erhalten, mit ihm an seiner Seite gestiegen. „Juristisch“, sagt Kaleck, „gäbe es Möglichkeiten, ihm Aufenthalt zu gewähren.“ Und: „Ich sehe Deutschland sogar in der Pflicht.“