Nach einer schon 1936 angelegten Gestapo-Kartei für den "A-Fall", den Kriegsbeginn, begannen am 1. September 1939, sieben Uhr morgens, die Verhaftungswellen gegen tausende Hitlergegner aus Deutschland und dem annektierten Österreich. In das KZ Buchenwald schaffte man 700 von ihnen, darunter den Magdeburger Sozialdemokraten Ernst Thape. Thape war seit Anfang der zwanziger Jahre Redakteur bei der sozialdemokratischen "Volksstimme". Nach seiner Verhaftung 1939 blieb er bis zur Befreiung des Lagers in Buchenwald, war dort Mitglied des illegalen Volksfrontkomitees. 1945 gründete er die SPD in Sachsen-Anhalt neu, wurde ihr Vorsitzender und Bildungsminister in dem Land.1948 floh Thape in den Westen, arbeitete bei der Staatskanzlei in Niedersachsen. Seine Aufzeichnungen über die Haft im KZ gehören zu den wertvollsten Häftlingsberichten, die es heute über Buchenwald gibt. Aber im unlängst fertig gestellten "Gedenkbuch der deutschen Sozialdemokratie im 20. Jahrhundert" wird Ernst Thape nicht erwähnt. Kein Versehen, meint die Historikerin Christl Wickert, die das Buch im Auftrag der Partei erstellt hat. Denn ihr war die Auflage erteilt, nur solche Personen aufzunehmen, die auch nach 1945 weiter und vollständig der SPD treu blieben. Deswegen fehlt Thape, der 1946 der SED beitrat, in dem Buch. Nicht erwähnt ist auch Paul Kämpf, der im März 1933 noch als SPD-Kandidat für die Reichstagswahlen antrat, zwischen 1933 und 1945 mehrmals verhaftet wurde und nach dem Krieg in Thüringen zunächst die SPD mitaufbaute, dann aber Mitglied der SED und Bürgermeister in einer kleinen thüringischen Stadt wurde. An sie und an die Lebensläufe weiterer 160 österreichischer und deutscher Sozialdemokraten, die zwischen 1937 und 1945 in Buchenwald inhaftiert wurden, erinnert der Historiker Wolfgang Röll, der am Mittwoch in Berlin eine Studie über die Sozialdemokraten in Buchenwald vorgestellt hat. Röll, Mitarbeiter der Gedenkstätte Buchenwald, hat in jahrelangen Recherchen das oft weit verdrängte Schicksal dieser Sozialdemokraten wieder in die Erinnerung geholt. Es waren über 600, darunter Ernst Heilmann und Rudolf Breitscheid, aber auch viele, deren Namen heute keiner mehr kennt und deren Schicksal bisher keinen Eingang in das offizielle Gedenken der Partei fand. Nach den Forschungen Rölls hat die Partei jetzt beschlossen, ihr Gedenkbuch um weitere Namen zu ergänzen.Wolfgang Röll: Sozialdemokraten im Konzentrationslager Buchenwald 1937-1945. Wallstein Verlag Göttingen, 360 Seiten, 48 Mark.