Die nächsten lebenden Verwandten des Mammuts trotten heute durch Länder wie Indien und Thailand. Asiatische Elefanten stehen den Eiszeittieren genetisch näher als die afrikanischen Rüsseltiere, berichten Wissenschaftler um Michael Hofreiter und Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie Leipzig im Fachjournal Nature.Mit einer neuen Methode haben die Forscher einen Teil des Mammut-Erbgutes rekonstruiert und damit das Rätsel der Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den Mammuts und den heutigen Elefanten gelöst.Dabei sind Mammuts die am besten untersuchten Eiszeittiere überhaupt. Im asiatischen Teil Russlands werden immer wieder komplett erhaltene Exemplare gefunden, die der sibirische Dauerfrostboden mit Haut und Haar konserviert hat.Bekannt ist vor allem das zottige Wollhaar-Mammut, das mit etwa drei Meter Schulterhöhe und sechs Tonnen Gewicht ungefähr die Größe eines asiatischen Elefanten erreichte. Aus Untersuchungen des tiefgefrorenen Mageninhalts kennen Forscher sogar den Speiseplan dieser Tiere. Die Genetik der Mammuts aber ließ sich weniger leicht analysieren. Denn das Erbmaterial DNA bleibt nicht ewig erhalten; chemische Prozesse zerstören es mit der Zeit.So finden Forscher nach Jahrtausenden oft nur noch kleine Mengen winziger DNA-Bruchstücke, aus denen sich wenig heraus lesen lässt. Den Leipziger Wissenschaftlern ist es nun aber gelungen, die gesamte DNA-Sequenz in den Mitochondrien eines Wollhaar-Mammuts zu entschlüsseln. Das Erbgut dieser für die Energiegewinnung zuständigen Zellkraftwerke besteht aus etwa fünftausend DNA-Buchstaben. Um die Abfolge dieser Bausteine zu klären, genügte eine kleine Probe von etwa zweihundert Milligramm Mammutknochen. Daraus haben die Forscher die DNA isoliert und diese dann mit einer neuen Methode namens Multiple Polymerase Kettenreaktion genauer unter die Lupe genommen. Dabei haben sie zunächst einzelne, sich überlappende Bruchstücke der DNA-Sequenz gewonnen und diese dann zusammengesetzt. Die Sequenz ließ sich mit derjenigen heutiger Elefanten vergleichen.Demnach trennten sich die Entwicklungslinien der Afrikanischen Elefanten und der Mammuts vor sechs Millionen Jahren. Nur 440 000 Jahre später spalteten sich auch die Asiatischen Elefanten von den Mammuts ab. Jahrtausendelang lebten die Arten dann gleichzeitig auf der Erde. Die meisten Mammuts verschwanden gegen Ende der letzten Eiszeit vor etwa 10 000 Jahren. Nur ein kleiner Bestand überdauerte auf der Wrangel-Insel in Ostsibirien; er starb erst um 1700 vor Christus aus.Nature, Online-Ausgabe------------------------------Foto: Der nächste noch lebende Verwandte des Wollhaar-Mammuts (Zeichnung) ist der Asiatische Elefant.