Diese 1,9 Milliarden werden die deutsche Uni-Landschaft erheblich verändern", sagt Dieter Lenzen. Der Präsident der Freien Universität (FU) Berlin ist davon überzeugt, dass der Spitzenuni-Wettbewerb der Profilierung deutscher Hochschulen den entscheidenden Schub geben wird. Wenn eine Universität auf einem Gebiet besonders gut ist, wird sie nicht nur von außen (in diesem Fall von der Deutschen Forschungsgemeinschaft/DFG) gefördert - sie richtet ihre gesamte Struktur danach aus. (Die DFG orientiert auf "massive Schwerpunktsetzung".) Und je klarer das Profil, je besser der Ruf und die Bedingungen der Uni, desto mehr Unternehmen, ausländische Forscher und Studenten zieht sie an. So ungefähr stellt es sich Dieter Lenzen vor. Künftig werde es Universitäten der ersten, zweiten und dritten Liga geben, sagt er.Die FU will unbedingt zur ersten gehören. Bereits jetzt findet man sie unter den Top Ten der forschungsstärksten deutschen Unis. Und seitdem sich der Kanzler und die Ministerpräsidenten am 23. Juni einigten, den Spitzenuni-Wettbewerb nun endlich auszuloben, erlebt die FU einen "einmaligen Schub der Antragsbegeisterung". Das allein sei schon ein erwünschter Effekt, sagt Lenzen. Und vielleicht bräuchte es gar nicht die Urlaubssperre, die vorsorglich verhängt wurde.Die FU zieht mit acht Anträgen in den Wettbewerb: Fünf Cluster sind dabei - regionale Forschungsnetzwerke, die die FU allein plant oder an denen sie beteiligt ist. Dazu kommen zwei Graduiertenschulen, die 2005 neu gegründet werden. Am nächsten Mittwoch hebt die FU die "Dahlem Research School" aus der Taufe. Diese soll die Graduiertenausbildung an der Uni intensivieren und qualifizieren. Auch an die Vergabe international anerkannter Doktorgrade wird gedacht.Bewerben will sich die FU auch mit einem gesamtuniversitären Zukunftskonzept, auf das man sich jedoch noch nicht geeinigt hat. Lenzen möchte dazu bisher nichts sagen. Er erzählte aber an anderer Stelle, dass sich eine Uni durchaus mit einem überzeugenden Alumni-Konzept bewerben könne. Die FU hat bereits jetzt ein recht umfangreiches Programm; sie sucht weltweit nach ehemaligen Studenten. Es gibt Clubs, Treffen in Amerika und ein eigenes Alumni-Magazin.Einen Cluster will die FU gemeinsam mit der Humboldt-Universität (HU) anbieten. Zur Zeit ist man darüber im Gespräch. Es geht um das äußerst gefragte Gebiet der Lebenswissenschaften. Die FU baut ihren BioCampus Dahlem aus, die HU will ihre Lebenswissenschaften in Mitte konzentrieren. In einem gemeinsamen Cluster könnten sie ihre Ressourcen auf einmalige Weise bündeln: von der Molekularstrukturforschung bis zur Immunologie und Infektionsbiologie. Hier wären sie unter einem Dach: die Universitäts- und die Max-Planck-Institute, die Charité, das Naturkundemuseum. Ein solches Netzwerk würde sich Forschungsaufgaben stellen, die nur über Fächer- und Institutsgrenzen hinaus zu lösen sind. Und es könnte die Stärken Berlins nach außen hin sichtbar machen, vielleicht sogar unter einem einprägsamen Namen.Mit den jährlich 6,5 Millionen Euro Förderung, die es dafür geben soll, träte man der starken Konkurrenz entgegen, die etwa in der Forschungsregion Aachen-Bonn-Köln beheimatet ist.Die FU plant gemeinsam mit der Universität Potsdam, dem dortigen Geoforschungszentrum und dem Institut für Klimafolgenforschung ein Netzwerk "Earth & Space System", in dem an der "Schnittstelle Mensch und Umwelt" geforscht werden soll - bis hin zur Wirkung kosmischer Umweltfaktoren auf den Menschen und umgekehrt. Als dritten Cluster will die FU fünfundzwanzig Fächer zu einem "Dahlem Humanities Center" verknüpfen. Und mit der Uni Bremen soll ein gemeinsames Exzellenzzentrum "Global Governance" aufgebaut werden. Zuletzt ist ein regionaler Kooperationsverbund "Gender & Diversity" im Gespräch - auch wieder gemeinsam mit anderen Unis. Wohl gemerkt: Das sind nur die Cluster, mit denen die FU in den Wettbewerb gehen will. Sie plant noch einige weitere. Offen ist noch die Frage, wie das Geld verteilt wird, wenn zwei oder mehrere Unis gemeinsam ein Exzellenznetzwerk anbieten.Insgesamt kann jede Universität 21 Millionen Euro im Jahr zusätzlich erhalten, und zwar für die "drei Säulen": Graduiertenschulen, Exzellenzcluster und gesamtuniversitäre Zukunftskonzepte. Um allerdings Geld für ein Gesamtkonzept zu bekommen, muss jede Universität mindestens eine Graduiertenschule und einen Cluster vorweisen, die von der DFG gefördert werden.------------------------------Spitzenuniversitäten - wie es weitergehtBis zum 1. August müssen die Unis bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ihre Absicht erklären, am Wettbewerb teilzunehmen.Die Antragsskizzen erwartet die DFG bis 30. September - in englischer Sprache und für jede der "drei Säulen" des Wettbewerbs. Anträge kann man stellen für die Förderung von Graduiertenschulen (je eine Mio. Euro pro Jahr), Exzellenzcluster (je 6,5 Mio.) und Zukunftskonzepten (bis insgesamt 21 Mio.).Gutachtergruppen, die international besetzt sein sollen, bewerten die Skizzen. Dann gibt die 26-köpfige Gemeinsame Kommission von DFG und Wissenschaftsrat den Unis grünes Licht für die Anträge.Bis 1. April 2006 sollen die Anträge eingehen. Im Oktober werden sie bewilligt oder nicht. Dann soll das erste Geld fließen.Etwa 400 Bewerbungen werden erwartet. Gefördert werden können insgesamt 40 Graduiertenschulen, 30 Cluster und bis zu zehn Unis mit ihren Zukunftskonzepten. Für 2006 ist eine zweite Antragsrunde vorgesehen.