Berlin. phh An den meisten Berliner Shell-Tankstellen ist in den letzten Tagen das Geschäft zurückgegangen. Die Pächter fühlen sich als Prügelknaben für die Politik des britischen Mineralölkonzerns.Zahlreiche Pächter von Berliner Shell-Tankstellen sind ärgerlich. Sie sehen sich als "falsche Adresse" der Proteste gegen die Versenkung der Ölplattform. Doch der Aufruf zum Boykott ihrer Tankstellen, denen sich neben den Umweltorganisationen nun zunehmend Politiker angeschlossen haben, zeigt auch bei Berliner Autofahrern seine Wirkung. Ob am Mariendorfer Damm, in Wittenau, Falkenseer Chaussee oder am Kaiserdamm: Überall fließt seit Tagen weniger Kraftstoff aus den Shell-Tanksäulen. Einige Pächter sprachen sogar von "drastischen Umsatzeinbrüchen", während bei anderen wenigstens die Stammkundschaft zur Stange hält. "Bei uns tanken nach wie vor viele Geschäftsleute, von denen ich weiß, daß sie gegen die Versenkung der Plattform sind. Allerdings machen sie mich nicht für die Politik des britischen Konzerns verantwortlich", sagt ein Pächter aus Wittenau.Anders ein Autofahrer aus Tempelhof: "Ich werde heute abend zu meiner Shell-Tankstelle fahren und den Mitarbeitern eindeutig mitteilen, daß sie einen Kunden verloren haben." Obwohl sie gegen die Versenkung der Ölplattform sei, werde sie wie bisher die Station mit der Muschel im Firmenzeichen anfahren, erklärte hingegen eine junge Frau, die gestern mittag ihre "Ente" an der Bornholmer Straße auftankte. Schließlich seien die Pächter nicht für die Entsorgung der Ölinsel verantwortlich.Sein Unverständnis über die Haltung des britischen Shell-Konzerns äußerte gestern Berlins Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU). Er sei für eine Entsorgung der Plattform an Land. Zum Boykott gegen Shell-Tankstellen wollte sich Diepgen nicht äußern. Kritik am Vorhaben des Shell-Konzerns übte gestern auch Umweltsenator Volker Hassemer (CDU). Solange sich das Unternehmen gegenüber den Protesten taub stelle, sei es in diesem Fall eine "gute Idee, dessen Tankstellen zu umfahren".