Niklasstraße 19. Hier, in der Firma Vebau, einer Niederlassung aus Frankfurt am Main, arbeiten Bauplaner, Ingenieure, Architekten für die zusammenwachsende Hauptstadt. Und an diesem Ort schätzt man, was Kunst im Arbeitsalltag geben kann: unmittelbare Anregung nämlich. Seit Mai gibt es hier, abseits der großen Museen und Galerien Berllns, vom Keller bis zum Dach junge Kunst zu sehen. Das phantasievolle Angebot mit dem Geruch von Acryl- und Eitemperafarben hinter Computerarbeitsplätzen, Faxgeräten, Telefonen und Reißbrettern wechselt mehrmals im Jahr. Hier sieht man Kunst in Zeiten der Sparzwänge nicht als Luxus, sondern als Utopie. Die Premiere bestreiten Bilder von Bernd Gutkuhn und Fee Doßmann. Gutkuhns Acryl-Bilder verraten, wie sehr ihr Maler vom Phänomen der Bewegung, der Geschwindigkeit inspiriert ist. Seine Malerei sucht nach Ausdruck für Schnelligkeit, die unser Auge nur in Bruchteilen erfassen kann. Rasch und entschlossen zerlegt er das Biidgeschehen, fügt es wieder zum Ganzen. Die Arbeiten auf Leinwand, mitunter auf grober Jute, die eine schöne, offene Oberflächenstruktur hervorbringt, wachsen In einem langen Intensiven Arbeitsprozeß. Die Blidsprache geht weg von der ursprünglichen konkreten Anschauung, wird immer mehr Landschaft von Geistigem und Emotionalem. Das ganz Besondere in diesen Bildern ist das rätselhaft dunkle "Pariser Blau".Fee Doßmann läßt Zweibeiner in leuchtendem Orange und tiefem Schwarz ekstatisch tanzen. Wie in Trance fegen sie über die Bildflächen. Diese Arbeiten entstammen einem l2monatigen Aufenthalt der Malerin auf der Atiantikinsel Lanzerote 1993. Ihr Atelier war ein sonnenüberglühtes Garagendach. Alles ist Intuition, in den Arbeiten pulsieren die Emotionen, die Bilder streben ins Reliefhafte. Als lägen die Erinnerungsspuren nun wie Fossilien unter einer dikken Schicht, als müßten sie fur ewig darunter bewahrt und beschützt bleiben. Die Farben sind nicht mehr die reinen, glühenden, konstrastbetonten der Insel. Sie sind in der Großstadt melancholisch geworden, süchtig nach Sonne.Nikiasstraße 19, Zehlendorf, 9-17 Uhr.