ZEHLENDORF "Die US-Army in Berlin: Was ist geblieben?" - lautet das Thema einer Fotoausstellung, die heute im Rathaus Zehlendorf eröffnet wird. Der Fotograf Michael Müller-Monse zeigt 80 Ansichten von Wohn- und Militäranlagen, die seit dem Abzug der Amerikaner leerstehen.Was wird von den Amerikaner bleiben? Was wird an ihre fast fünfzigjährige Anwesenheit in einigen Jahren noch erinnern? "Bevor Erinnerungen nur im Museum wachgerufen werden, wollte ich den Zwischenzustand festhalten, der Erinnerung und Ausblick zugleich ist", sagt der Zehlendorfer Fotograf Michael Müller-Monse. Straßennamen bleiben Viele Hinweise auf amerikanische Einrichtungen sind im Südwesten Berlins inzwischen verschwunden. Vor der großen Tankstelle am Hüttenweg steht kein Panzer mehr, und die Anzeige der Tanksäule verharrt auf Null. Nur die amerikanischen Straßennamen sollen nach dem Willen des Bezirksamtes unverändert bleiben, spiegeln sie doch ein Stück der Geschichte wider. Auf seinen Streifzügen mit dem Fahrrad fuhr der Fotograf vorbei an riesigen Arealen und Siedlungen der Amerikaner. "Mit mir fuhren Erinnerungen, denn meine Schwester war mit einem Soldaten verheiratet", sagt Michael Müller-Monse. Die meisten Zehlendorfer könnten nicht auf menschliche Beziehungen zurückblicken, allenfalls auf dem jährlichen Deutsch-Amerikanischen Volksfest trafen sie mit den Bewohnern der Kasernen zusammen. Im Rathausfoyer hat Müller-Monse aus seinen mehr als 200 Aufnahmen 80 zu sechs Themenkreisen zusammengestellt. Im Oktober vergangenen Jahres zeigte er einen Teil zum ersten Mal im Rathaus Steglitz im Rahmen eines Wohnungsbau-Wettbewerbes für Bundesbedienstete. Der Fotograf begnügte sich nicht mit den Ansichten der verschlossenen Gebäude. Nachdem er sich hartnäckig um die notwendigen Genehmigungen bemüht hatte, wanderte er tagelang in den menschenleeren Einrichtungen mit Kamera und Stativ umher. An Stahltüren im Keller des Hauptquartiers an der Clayallee entdeckte er die Schilder "Off limite, Eintritt verboten." Das US-Hauptquartier hatte ab 1949 seinen Sitz in dem großzügigen Gebäude. Es wurde 1937 von Fritz Fuß erbaut und diente vor dem Krieg dem Luftgaukommando III. In dem prächtigen Sitzungssaal fotografierte Müller-Monse Tafeln mit den Aussprüchen von drei amerikanischen Präsidenten. Die Freie Universität wird das Haus künftig nutzen. Überdimensionale Geräte Auch der Abhöranlage auf dem Teufelsberg, die mit ihren weißen Kuppeln wie eine Fata Morgana im Dunst über dem Grunewald schwebt, entriß er ihr Geheimnis. Als eines der wenigen Geräte, die noch im Inneren zu finden sind, fotografierte er eine überdimensionale Aktenvernichtungsanlage. Auf der Truman-Plaza, dem zentralen Einkaufszentrum der Amerikaner, gegenüber vom Hauptquartier Clayallee hat sich inzwischen einiges verändert. Auf den Fotos von Müller-Monse sind noch Ladenzeilen zu sehen, die längst abgerissen wurden. Und im ehemaligen Kino "Outpost" sind Umbauarbeiten für das Alliierten-Museum im Gange. Der auf einem Foto festgehaltene Hubschrauber befindet sich jetzt in einem Depot.Die Wohnblöcke sind teilweise vorrübergehend vermietet. Lediglich die Kirche dient weiterhin amerikanischen Gemeinden.Der selbständige Werbefotograf bedauert, keinen Sponsor für diese zeitgeschichtliche Ausstellung gefunden zu haben. Nur die Checkpoint Charly Stiftung finanzierte ihm die 40 x 50 Zentimeter-Vergrößerungen seiner Schwarzweißaufnahmen. Eva Stern Die Ausstellung ist noch bis zum 24. Januar im Rathaus Zehlendorf, Kirchstraße 1-3, zu sehen. Öffnungszeiten: montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr. +++

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