Hohe Jugendstrafen verhängte am Freitag das Landgericht Neuruppin gegen die vier Angeklagten im Prozeß um den Mord an Gunter Marks in Velten. Die Vorsitzende Richterin ging teilweise weit über das von der Staatsanwaltschaft geforderte Straßmaß hinaus.Mit tief gesenkten Köpfen und regungslosen Gesichtern nahmen die vier Angeklagten das Urteil entgegen. Der Haupttäter Maike L. (19) wurde wegen Mordes zur im Jugendstrafrecht möglichen Höchststrafe von zehn Jahren verurteilt. Maike K. (20) und Uwe Sch. (19) wurden wegen Raubes mit Todesfolge und schwerer Körperverletzung zu sechs und viereinhalb Jahren verurteilt.Thomas F. (20) wurde von der Haupttat freigesprochen. Er sei stark betrunken gewesen und habe nur apathisch im Wagen gesessen, so Richterin Gisela Thaerendaig. Für zwei Straftaten, die er mit L. und Sch. im Juli 1994 begangen hatte - einen weiteren Überfall auf einen Radfahrer und einen auf einen 80jährigen Mann - wurde er zu zweieinhalb Jahren verurteilt. Schädel zertrümmert Die Richterin beschrieb in ihrer Urteilsbegründung noch einmal die Nacht des 6. August 1994 in Velten. Die stark angetrunkenen Jugendlichen waren im Auto auf der Suche nach einem Raubopfer unterwegs. Sie brauchten Geld für die Disko. "Es wird alles überfallen, was auf der Straße läuft, außer Frauen und Kinder", war die Devise von Maike L. Es traf den 42jährigen Kraftfahrer Gunter Marks aus Velten. Er wollte mit seinem Fahrrad nach Hause. L. trat ihn vom Rad, schlug ihn und forderte Geld. Gunter Marks hatte keins. "Du Schwein hast kein Geld", beschimpfte ihn Maike L. Dann holte er viermal mit einem Radmutterschlüssel aus. Die Schläge zertrümmerten Marks Schädeldecke. Der Mann starb nach wenigen Minuten. L. ließ ihn im Blut liegen, nahm ihm noch seine Uhr ab. Seelisch verkümmert "Der ist tot", sagte L. zu seinen Kumpels. Ungerührt suchten die vier nach weiteren Opfern. Sie überfielen ein Ehepaar F. aus Velten, schlugen und traten den Mann. Uwe Sch. war mit dem Radmutterschlüssel bewaffnet. Er ließ ihn fallen. Plötzlich hörte er wieder das Brechen des Schädelknochens von Marks. "Gunter Marks Tod war sinnlos", sagte Frau Thaerendaig. Maike L. habe aus Habgier gehandelt. Ihm fehle jegliches Mitgefühl, er sei seelisch verkümmert, schon als Kind in einer zerstörten, von Alkohol geprägten Familie hart geworden. Mit 15 Jahren habe er seine erste Straftat begangen. Sie hoffe, daß sich in der langen Strafzeit seine Defizite aufarbeiten ließen. Velten sei bekannt geworden durch eine Serie von Gewalttaten, die Jugendliche, auch rechtsgerichtete, verübt hätten, so Frau Thaerendaig. Arbeitslosigkeit, kaputte Familien, Alkoholismus prägten die Atmosphäre. "Doch wir können nicht die Ursachen beseitigen, sondern nur reagieren." +++