BerlinHat jede Zeit die Krankheit, die zu ihr gehört, gleichsam als ein langer Schatten, den sie wirft? Und was könnte uns das über die Corona-Pandemie sagen, gegen die wir, nach einer Impfung, im kommenden Jahr vermutlich immun sein werden? Vorbei und vergessen – oder behalten wir etwas davon im kollektiven Gedächtnis, vielleicht sogar im Unterbewusstsein, das in uns weiterarbeitet? Ob wir nach der Seuche andere Menschen als zuvor sein werden, wenigstens ein bisschen, um das zu erfahren, sollte man sich an die großen Pandemien erinnern, die die Menschheit in ihrer Geschichte seit jeher begleitet haben.

Immer ging die Gesellschaft verändert aus existenziellen Krisenzeiten wie Kriegen und Seuchen hervor. Der Kulturgeschichtsschreiber Egon Friedell sprach 1927 – also in einer Zwischenkriegszeit – von der „Inkubationszeit“, die in der Geschichte großen Veränderungen, positiven ebenso wie negativen, vorausgehe. Als Krise des Bestehenden oder als unterschwelliges Begleitsymptom des Neuen? Vermutlich fällt beides zusammen, und das macht die Lage so unübersichtlich. Diese Leerstelle lässt der Fantasie einen Raum, in dem Rettung und Vernichtung konkurrieren. Das macht solche „Inkubationszeiten“ so interessant. Sie sind wie die Stille vor dem Sturm.

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