Berlin - Nicht erst die Corona-Pandemie hat die Stimmung im Land verändert. Aggressivität, Egoismus, Entsolidarisierung breiten sich aus, Nazis, Rassisten und Antisemiten agieren immer dreister. Ich fühle mich an das Ende der DDR erinnert, als etwas anderes die Menschen zunehmend frustrierte: die Lobhudeleien, das Feiern der Erfolge beim Aufbau des Sozialismus. Die da oben und wir hier unten. Wie schnell löste sich die Überzeugung von der Sieghaftigkeit des Realsozialismus in nichts auf! Seitdem misstraue ich allen Erzählungen von der ewigen Überlegenheit und Siegesgewissheit der einen über die anderen. Das gilt auch für die liberale westliche Demokratie.

Die Blütenträume vom „Reich der Freiheit“, von denen Antje Vollmer in dieser Zeitung sprach (Ausgabe vom 30.1.21., d. Red.), waren nur von kurzer Dauer. Mir klingt es noch in den Ohren: „Lieber arbeitslos im Westen als arbeiten in der DDR.“ Kurze Zeit später, als die Treuhand die Betriebe abwickelte, Tausende ihren Arbeitsplatz verloren, war davon nicht mehr die Rede. Nicht wenige der Kollegen und Kolleginnen aus der Produktion meines Betriebes, dem Hersteller von Schwalbe, S51 sowie Jagd- und Sportwaffen in Suhl, traf ich Jahre später in der Schlange vor der Lebensmittelausgabe der Tafel wieder.

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