Ich traue mir nicht, weil ich ein schlechtes Gedächtnis habe. Immer wenn gesagt wird: „Du weißt doch auch, wo du am 9. November 1989 oder am 11. September 2001 warst“, denke ich: Nein, weiß ich nicht. Ich glaube zu wissen, was ich gefühlt habe. Nach 30 Jahren deutscher Einheit mischen sich Erinnerungen, Eindrücke und Gefühle.

Bis 1988 war ich rein westeuropäisch orientiert: Ich habe Frankreich geliebt (und liebe es immer noch). Mein Vater war 1942 noch als Soldat zur Grundausbildung im besetzen Frankreich. Die deutsch-französische Aussöhnung nach 1945 halte ich bis heute für eine herausragende gesellschaftspolitische Leistung. Die Teilung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg angesichts der historischen Fakten und der politischen Kräfteverhältnisse war für mich folgerichtig - allerdings gab es in unserer Familie keine Vertriebenen und auch keine Verwandtschaft in der DDR. Ich habe nicht von Wiedervereinigung geträumt und die DDR nie in Anführungszeichen gesetzt. Die DDR war da und sie war zweifellos anders. Nach zwei Besuchen in Ost-Berlin inklusive Leibesvisitation durch resolute Grenzbeamtinnen habe ich beschlossen, die DDR für nicht besonders einladend zu halten, von der Galerie im Alten Museum abgesehen.

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