Lutz Seiler, Buchpreisträger 2020
Foto: Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

Als ich mich Ende April auf den Weg nach Stockholm machte, war unklar, ob mein Versuch, Deutschland zu verlassen (mein Ausbruch, dachte ich), nicht schon an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern enden würde. In den Nachrichten hatte ich Berichte über Checkpoints und Straßensperren gesehen, Autos wurden angehalten und zurückgeschickt, ein Grenzdurchbruch wurde vereitelt, wie es hieß (zur Illustration ein ausführlicher Bericht darüber, wie ein Wagen polizeilich verfolgt und wieder eingefangen wurde). Die zur Verdeutlichung der Lage eingeblendete Grafik der rundum geschlossenen Staatsgebiete rief unweigerlich die Situation vor ’89 in Erinnerung. Ungerufen tauchte auch das alte, die Wahrheit komplett verdrehende Wort vom „Grenzverletzer“ wieder auf in Gedanken – sicher, ein Vergleich war absurd und vollkommen unangebracht, es handelte sich nur um die historisch letzte Erfahrung mit Einschließung und Restriktion.

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