BerlinImmer wieder versuchen „Wir sind das Volk“-rufende Demonstranten von heute das Erbe der Friedlichen Revolution von 1989 zu kapern. Zuletzt nahmen Tausende von selbsternannten Querdenker-Demonstranten in Leipzig dafür sogar die historischen Plätze und Straßen der Massendemonstrationen vom Herbst 89 in Anspruch. Sie knüpfen an den Mythos von ’89 an, um sich selbst aufzuwerten. Neonazis und rechtsextreme Ideologen nutzen in ihren Publikationen schon lange diese Erzählung der 89er-Proteste für sich – als eine Traditionslinie des erfolgreichen Kampfes gegen ein „System“. Pegida-Proteste und schließlich die AfD haben diese Erzählung immer größer gemacht. Erinnert sei nur an das Wahlkampf-Motto „Wende 2.0“ oder „1989/2019 – Vollende die Wende!“.

Die unverfrorene Aneignung der Kraft und der Geschichte jener Revolution, die eine Diktatur samt ihrer Mauer friedlich hinwegfegte und demokratische Freiheiten errang, ist ein historischer Missbrauch, der auch damit zu tun hat, dass es in unserem Land selbst nach über 30 Jahren keinen bedeutenden und zentralen Ort gibt, der sie würdigt, erklärt, präsentiert, erfahrbar macht und sie mit den Herausforderungen der heutigen Zeit in Europa und der Welt verbindet.

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