Anja Reich & Sabine Rennefanz
Foto: Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

BerlinWir befinden uns in diesen Wochen in einer „Zeitenwende“, wie wir sie noch nicht erlebt haben, nach der vermutlich kaum etwas so sein wird wie es war. Es ist Zufall, dass dies genau 30 Jahre nach der Wiedervereinigung passiert, nach jenem Jahr, in dem für die Ostdeutschen alles möglich zu sein schien: eine neue Gesellschaft, ein neues Wirtschaftssystem, eine neue Verfassung.  Auch wenn es schwer fällt angesichts der Kranken und Toten und uns die Nachrichtenlage fast überwältigt, wollen wir diese Situation, mit der niemand gerechnet hat, auch noch einmal anders denken.

Wir sind als Berliner Zeitung in der einzigartigen Situation, dass unsere Redaktion bereits einmal einen Umbruch erlebt hat, der damals auch für viele existenziell war. Diesen besonderen Blick wollen wir nutzen, um auf die Gegenwart zu schauen. Wir wollen versuchen, aus dem Gestern für das Morgen zu lernen. Nicht erstarren, sondern die Chance ergreifen, zurückzusehen und zu erzählen, wie alles zusammenbrach und wie die ostdeutsche Gesellschaft aufbrach, was es für Ideen und Konzepte in allen Lebensbereichen gab, warum sie nicht übernommen wurden, woran sie gescheitert sind und ob sie aus heutiger Sicht das Potenzial haben, noch einmal wiederbelebt zu werden.

Unsere neue Serie

Im 30. Jahr der Wiedervereinigung erleben wir erneut einen Umbruch in der Gesellschaft, ausgelöst durch die Corona-Krise. Die Berliner Zeitung begleitet diese Zeit, in der erneut viel Altgewohntes auf dem Prüfstand steht, mit Essays, Analysen, Interviews. Wir wollen Debatten führen und fragen, was wir aus dem Gestern für ein besseres Morgen lernen können.

berliner-zeitung.de/zeitenwende

Wir können die Auswirkungen und Folgen der Corona-Krise noch nicht abschätzen, niemand kann das. Doch wir sehen schon jetzt, dass sie Strukturen, die eben noch unverrückbar und alternativlos erschienen, auf den Kopf stellt. Und wir glauben, dass es sich lohnt, genau darüber zu schreiben, nachzudenken, zu debattieren.

Die Berliner Zeitung hat sich das Ziel gesetzt, diese Diskussion gemeinsam mit ihren Lesern zu führen. Die neue Serie, die den Titel „Zeitenwende“ trägt, wird von Sabine Rennefanz und Anja Reich verantwortet. In loser Folge wird es dazu Beiträge in der Zeitung geben, in denen wir zurück und nach vorne sehen. Wir wollen Menschen zu Wort kommen lassen, die Altes kritisch hinterfragen, Tabus brechen, Visionen haben. Alte und Junge, Frauen und Männer, Ost- und Westdeutsche genauso wie Menschen mit Zuwanderungsgeschichte.

Zum Auftakt schreibt Anja Reich in einem persönlichen Essay über 1990. Wir setzen die Reihe in den nächsten Tagen fort, mit Texten von deutschen und internationalen Autoren wie Harald Jähner, Lea Streisand, Klaus Wolfram, Max Czollek und Nadav Eyal.

Und falls Sie eine Idee haben, die für „Zeitenwende“ passen könnte: Schreiben Sie uns!

zeitenwende@berlinerverlag.com