„Bruderkuss“ vorher: Leonid Breschnew und Erich Honecker im Jahr 1979.
Foto: AP/Helmuth Lohmann

Die kleine Tochter kam im Herbst 1984 aus der Schule und wollte den Pionier-Gruß zeigen, den sie am Vormittag gelernt hatte. Sie lehnte die Fingerspitzen der rechten Hand an den Kopf und sprach mit heiligem Ernst: „Für Frieden und Sismaliskus – seid bereit!“

Das Wort für die größte politische Errungenschaft war für sie eine ungenaue phonetische Erinnerung. Was auch sonst, Siebenjährige können nicht wissen, was Sozialismus bedeutet und wie sie sich dafür bereithalten sollten. Sogar: „Immer bereit!“ Das war die rituelle Antwort auf den Gruß – so angelernt wie andere Symbole: Ein Freund wartete mit seinem Sohn in Schöneweide auf die S-Bahn, als eine Reparaturlok vorbeifuhr. An ihrem Ende wehte eine rote Signalflagge als Warnung. Der Junge winkte und rief: „Eine Arbeiterfahne! Eine Arbeiterfahne!“ Er freute sich über sein Kindergartenwissen.

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