Zeitschrift "Kot und Köter" war satirische Erfindung: Die Talk-Meute heulte jahrelang brav mit

BERLIN/HAMBURG, 23. April. Er war der Alptraum jedes Hundeliebhabers. Sechs Jahre lang warb der Hamburger Journalist Wulf Beleites in Funk und Fernsehen für "Kot und Köter der Zeitschrift für den Deutschen Hundefeind". Mal dozierte er über Kotmengen "Körpergewicht mal drei durch 50" , mal gab er Kochtips für "argentinischen Dackelbraten". Fast zwangsläufig wurde er so zum Dauergast in den Talkshows schließlich laden Arabella und Co. bevorzugt Leute ein, die das Blut des Publikums in Wallung bringen.So gesehen gibt es nun einen Quotenbringer weniger. In dem Satiremagazin "Extra drei" outete sich Beleites als Mitarbeiter des NDR und gestand, daß es die Zeitschrift "Kot und Köter" nie gegeben habe. Die Idee, als Profi-Hundehasser durch die Sendungen zu tingeln, sei entstanden, als er bei einem Bier darüber sinnierte, welches Heft am Kiosk fehle.Daß er insgesamt 14 mal als "renommierter Hundehasser" im Fernsehen auftrat, sieht der TV-Journalist als Beweis für seine Talkshow-Thesen: Erstens brauche man ein gängiges Thema, zweitens müsse der Gast möglichst den bad guy markieren und sich, drittens, durch ständiges Wiederholen zum Experten wandeln. Zudem müsse die Geschichte einer "Pseudo-Überprüfung" standhalten. "An journalistische Recherche ist bei den Talkshows nicht zu denken. Das sind lediglich Rollenbesetzungs-Büros", sagt Beleites, der für seine Auftritte zwischen 500 und 1 000 Mark bekam. Und sich wunderte, daß niemand stutzig wurde.Beim Sat 1-Frühstücks-TV saß Beleites zuletzt am 9. März auf der Couch. "Hundescheiße ist nun mal nicht so dermaßen brisant, daß wir drei Leute auf das Thema ansetzen. Wir machen schließlich drei Stunden Sendung pro Tag", rechtfertigt der Vize-Redaktionsleiter des Frühstücks-TV, Jürgen Meschede, die mangelnde Recherche.Daß sich Beleites nun entschieden hat, das Projekt "Kot und Köter" zu beenden, liegt weniger an den vielen Drohanrufen, als an der Tatsache, daß es ihm nach sechs Jahren satirischer Hundehasserei langweilig geworden ist. Dem Thema bleibt Beleites aber treu. Demnächst will er ein Buch über seine Zeit als "Kot und Köter"-Macher schreiben.