Rom - Eigentlich war Erzbischof Robert Zollitsch am Montag in einer ganz anderen Angelegenheit im vatikanischen Pressesaal am Petersplatz in Rom. Er wollte eine Veranstaltung zur Förderung des Dialogs zwischen Christen und Atheisten vorstellen, die im November in Berlin stattfindet, den „Vorhof der Völker“. Aber dafür interessierte sich kaum einer. Die in der Mehrzahl deutschen Journalisten und Fernsehteams wollten vom Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz nur eines wissen: Wie er während seines mehrtägigen Rom-Aufenthalts im Fall des Limburger Skandal-Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst vorzugehen gedenkt, was er dem Papst sagen wird und wie sich Franziskus in der Sache verhalten wird.

Tebartz-van Elst steht unter enormem Druck, weil die Kosten für den Neubau seiner Bischofsresidenz in Limburg regelrecht explodiert sind. Ursprünglich waren 2,5 Millionen Euro veranschlagt gewesen, inzwischen ist von 31 Millionen Euro die Rede, und Folgeschäden einbezogen könnten es am Ende sogar 40 Millionen Euro werden.

Anklage wegen Falschaussage

Der 53-jährige Bischof soll die Kosten verschleiert und sogar auf luxuriösen Extras bestanden haben. Zudem hat die Hamburger Staatsanwaltschaft Strafbefehl gegen Tebartz-van Elst wegen Falschaussage an Eides statt beantragt, weil er unwahre Angaben zu einem Erste-Klasse-Flug nach Indien gemacht haben soll. Kurzum: Das Verhalten des Bischofs steht in denkbar größtem Widerspruch zu der von Papst Franziskus gepredigten Bescheidenheit einer Kirche für die Armen. Im Bistum Limburg fordern enttäuschte Gläubige seinen Rücktritt. Tebartz-van Elst reiste am Sonntag nach Rom - mit dem Billigflieger Ryanair dieses Mal. Er lege sein Schicksal in die Hände des Papstes, erklärte das Bistum.

Zollitsch, der Vorsitzende der deutschen Bischöfe, der seinen Rom-Besuch schon länger geplant hatte, wird den Papst am Donnerstag treffen. Er werde mit Franziskus auch über den Fall sprechen, kündigte er an. Er habe diesem bereits einen schriftlichen Bericht zukommen lassen, „ich kann aber nicht sagen, was der Papst davon gelesen hat.“ Und vorab könne er über die Gespräche, die er in den kommenden Tagen in Rom führen werde, schon gar keine Auskunft geben.

Zollitsch hatte mit dem großen Medieninteresse bei seinem ersten Auftritt in Rom gerechnet und ein kurzes Statement vorbereitet. Darin versprach er, dass die Kirche zügig handeln werde. „Der Druck ist groß, denn die Leute wollen Aufklärung.“ Es sei zweifellos auch eine Frage der Glaubwürdigkeit für die Kirche. Man müsse aber sachlich bleiben und einen Schnellschuss vermeiden. Er verwies auf die von ihm eingesetzte Prüfungskommission, die noch in dieser Woche ihre Arbeit aufnehmen werde. Experten für Kirchen- und Baurecht sollen klären, wie es zu der Kostensteigerung kam und wer die Entscheidungen traf. Wann die Ergebnisse vorliegen werden, ist noch unklar.

Dass gegen Tebartz-van Elst ein Strafbefehl erlassen worden sei, belaste ihn sehr, betonte der Vorsitzende der deutschen Bischöfe, er verfolge die Situation mit großer Sorge. Es stehe ihm aber nicht zu, über Tebartz-van Elst zu urteilen. „Ich bin sicher, dass er sich gründlich und mit der nötigen Selbstkritik mit der Entwicklung auseinandersetzt.“.

Spekuliert wird nun, wo sich Tebartz-van Elst in Rom aufhält und ob er versuchen wird, ebenfalls einen Gesprächstermin mit dem Papst zu erhalten. Vatikan-Sprecher Federico Lombardi sagte, er könne dazu keine Auskunft geben und wisse nichts von einem Termin. Seiner Auffassung nach müsste sich ein Bischof erst einmal an die römische Bischofskongregation wenden.

In den kommenden Tagen wird sich zeigen, was Tebartz-van Elst vorhat. Entweder er versucht, hinter den Kulissen einflussreiche Kurienvertreter auf seine Seite zu bringen. Den Rücken gestärkt hat ihm bereits der Präfekt der römischen Glaubenskongregation, Erzbischof Ludwig Müller, der von einer „Medienkampagne“ gesprochen hatte. Oder aber er hat resigniert und will sein Amt aufgeben.

In Deutschland verschärft sich jedenfalls die Kritik. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wertet die Affäre als belastend für die deutschen Katholiken, wie ihr Sprecher erklärte. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann legte dem Limburger Kollegen den Amtsverzicht nahe. Um als Seelsorger zu arbeiten, brauche man Akzeptanz, sagte er.

Laut Kirchenrecht kann ein Bischof nicht zurücktreten, sondern nur dem Papst anbieten, auf sein Amt zu verzichten. Vor zwei Jahren hatte das der Augsburger Bischof Walter Mixa nach Misshandlungsvorwürfen ehemaliger Heimkinder getan. Benedikt XVI. hatte das Gesuch angenommen. Aus schwer wiegenden Gründen kann der Papst einen Bischof auch absetzen. Solche Fälle versucht der Vatikan aber zu vermeiden.

Es gäbe auch noch andere Möglichkeiten, wie der Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, Pater Bernd Hagenkord, erklärte. So könnte Tebartz-van Elst auch einen Co-Adjutor, also eine Art Zwangsverwalter an die Seite gestellt bekommen.