Es ist das Ende eines lange gehegten Traums: Die beiden Pandabären aus dem Zoologischen Garten werden für immer kinderlos bleiben. Alle Versuche, mit dem Weibchen Yan Yan und dem Männchen Bao Bao eine Familie zu gründen, sind gescheitert, sagt Heiner Klös, der Vize-Direktor des Zoo. "Bao Bao ist zu alt, wir werden ihn jetzt in Würde altern lassen und gönnen ihm die Ruhe", sagt Klös. Auf eine künstliche Befruchtung wie in den Vorjahren verzichten die Zoologen in diesem Jahr.Die Aufzucht eines Pandabären wäre ein noch nie da gewesener Erfolg für den seit 161 Jahren bestehenden Zoo gewesen. Und alle hatten auf das Wunder gehofft. Denn ein Panda wurde in Europas artenreichstem Tiergarten noch nie geboren. Weltweit gibt es von ihnen auch nur noch 1 000 Exemplare, 140 davon leben in Zoos. Europa hat vier Pandabären: zwei ganz junge in Wien-Schönbrunn und zwei ganz alte in Berlin-Tiergarten. "Die Geburt eines Pandas wäre die absolute Sensation für uns gewesen", sagt Andreas Ochs, der Zoo-Tierarzt.Eine heikle SacheWarum es zwischen der 22-jährigen Yan Yan und dem fünf jahre älteren Bao Bao in all den Jahren nicht gefunkt hat, dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen konnten beide nicht miteinander, was durchaus wörtlich zu nehmen ist. Außerdem stellten Mediziner bei Yan Yan immer wieder hormonelle Störungen fest. "Physisch sind beide Tiere okay", sagt Tierarzt Ochs. "Das Samenmaterial von Bao Bao war zudem einwandfrei."Achtmal wurde Yan Yan in all den Jahren mit dem Samen des Bären befruchtet - einmal sogar mit Erfolg: 1997 war sie schwanger. Allerdings starb der Embryo. Zuletzt waren Yan Yan im vergangenen Jahr Samen ihres Artgenossen eingesetzt worden. Die Fortpflanzung bei den vom Aussterben bedrohten Pandabären ist ohnehin eine heikle Sache - sind doch die Weibchen nur an wenigen Tagen im April empfängnisbereit. Letzte Möglichkeit wäre eine Befruchtung der Eizelle im Reagenzglas. "Dieses Verfahren ist aber zu kompliziert und zu aufwändig", sagt Ochs.Ob Bao Bao seinen Lebensabend im Berliner Zoo verbringen wird, wissen die Zoologen noch nicht. "Selbstverständlich haben wir großes Interesse an einem anderen jüngeren Männchen", sagt Klös.Ob die Pandabären aber wieder nach Peking gehen und Berlin dafür neue bekommt, ist unklar. "Alle Verhandlungen werden auf politischer Ebene über die chinesische Botschaft geführt", sagt Heiner Klös. Doch mit Blick auf ihre Kollegen aus Österreich machen sich die Berliner recht wenig Hoffnung: Die Wiener Zoologen benötigten mehr als 14 Jahre, um von den Chinesen zwei Pandabären für die Zeit von zehn Jahren zu übernehmen. Hinzu kommt, dass Berlin keine ansprechende Anlage hat für Pandabären: Bao Bao lebt zum Beispiel in einem abgetrennten Teil des Tigergeheges. Nach den jetzigen Verträgen muss Berlin die Bärin Yan Yan ohnehin in zwei Jahren an die Volksrepublik China zurückgeben, ohne dass klar ist, ob Ersatz kommt.------------------------------Das Schätzchen und die NiedlicheBao Bao ("Das Schätzchen") wird 1978 geboren und kommt zwei Jahre später als Geschenk des chinesischen Partei- und Regierungschefs Hua Guofeng an Bundeskanzler Helmut Schmidt nach Berlin. Mit ihm reist die Pandabärin Tjen Tjen, ebenfalls ein Geschenk Chinas. Am 8. Februar 1984 stirbt Tjen Tjen an einer Virusinfektion. Damit sind zunächst alle Hoffnungen auf Nachwuchs dahin.Im Alter von fünf Jahren ist Bao Bao zum geschlechtsreifen Pandamännchen herangewachsen. Allerdings scheitern alle Versuche, für ihn ein Weibchen zu finden. Deshalb kommt Bao Bao 1991 nach London - dort wartet Ming Ming auf ihn. Aber der Bär fällt so heftig über das Weibchen her, dass beide getrennt werden müssen. Der Paarungsversuch wird abgebrochen. Am 26. Mai 1993 kehrt Bao Bao aus dem Londoner Zoo nach Berlin zurück.Vier Jahre später bekommt Bao Bao eine neue Partnerin. Yan Yan ("Die Niedliche"), damals sieben Jahre alt, ist eine Leihgabe Chinas an Berlin. Der damalige Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) brachte das Tier persönlich nach Berlin.Eine Befruchtung auf natürliche Weise kommt aber nicht zu Stande. Deshalb helfen die Berliner Biologen und Tierärzte ab 1997 nach: Insgesamt befruchten sie das Pandaweibchen achtmal.Der Leihvertrag zwischen dem Zoo Berlin und der China Wildlife Conservation Association für Yan Yan läuft 2002 aus. Er wird um fünf weitere Jahre verlängert. Dann muss die Bärin wieder nach Peking zurück. Bao Bao ist Berliner Eigentum.------------------------------Foto: Yan Yan: Sie sollte dem Zoologischen Garten Berlin ein Pandababy schenken. Doch "die Niedliche" - sie ist eine Leihgabe aus China - war paarungsunwillig, sie hatte einfach keine Lust auf Bao Bao.