Man nennt ihn auch den "Justin Timberlake Asiens": Jung Ji-hoon, 1982 in einem Vorort von Seoul geboren, ist unter seinem Pseudonym Rain gegenwärtig der erfolgreichste asiatische Popstar - einer der ersten überhaupt, die es in der kulturell bisher äußerst zersplitterten Region zu länderübergreifendem Ruhm gebracht haben. In seinem Heimatland Südkorea füllt er ebenso die Konzerthallen und Stadien wie in Japan, Taiwan, Malaysia, China und auf den Philippinen; von seinen inzwischen vier CDs hat er mehrere Millionen verkauft. Außerdem ist er ein bekannter Fernsehschauspieler, Darsteller in panasiatisch populären Soap Operas wie "Sangdoo Hakyo Gaja" ("Sangdoo kommt in die Schule") und "Full House". Im Wettbewerb der Berlinale hat er jetzt seinen ersten Kinofilm vorgestellt: In Park Chan-wooks "Ich bin ein Cyborg, aber das macht nichts" (nochmals zu sehen am 18.2., 16.30 Uhr, im Berlinale-Palast) spielt Jung einen verliebten Psychiatrie-Insassen.Herr Jung, in Asien gehören Sie zu den bekanntesten Popstars. In Deutschland kennt Sie allerdings niemand. Können Sie uns ungefähr beschreiben, was für eine Art Musik Sie machen?Ich bewege mich in verschiedenen Stilen, aber im Wesentlichen, kann man sagen, basiert meine Musik auf schwarzer Musik, auf HipHop und R'n'B. Ein wenig Trance Pop ist auch dabei.Sind das Genres, die in Korea generell populär sind?Oh ja, das ist Musik, die bei uns allen gefällt; alle Koreaner hören gern R'n'B.Wer sind Ihre Vorbilder?Ich liebe Ray Charles und James Brown, den Godfather of Soul; und ich verehre Michael Jackson und Janet Jackson. In meinem Tanzstil kombiniere ich Michael Jacksons Moonwalk mit Martial-Arts-Elementen. Meine Choreografien entwickle ich grundsätzlich selbst; ich will, dass sie anders aussehen, als man das von amerikanischen Künstlern gewohnt ist.Während Ihre Musik geradezu prototypisch amerikanisch wirkt. Gibt es überhaupt koreanische Musik, die Ihnen gefällt?Amerikanische Musik ist in den letzten Jahren in Korea sehr populär geworden. Vor allem das Internet hat dabei geholfen, sie zu entdecken, das ist ein Prozess, der gerade erst so richtig eingesetzt hat. Früher war es oft schwierig, an amerikanische Schallplatten und CDs zu kommen, jetzt reicht ein Klick mit der Maus. Das heißt aber nicht, dass wir nur noch US-Musik importieren, der Prozess funktioniert auch in die Gegenrichtung. Dank Internet ist die koreanische Musik in ganz Asien sehr populär geworden. Es ist noch nicht lange her, da hatte jedes Land seine eigenen Stars: Südkorea, Japan, China, Thailand, Malaysia usw., und niemand wusste vom anderen. Wenn ich heute in Beijing auftrete oder in Bangkok, kommen zehntausende, wenn nicht hunderttausend Menschen.Die Chinesen haben dafür schon ein eigenes Wort: han-liu, die koreanische Welle - für die kommende Herrschaft der koreanischen Popkultur in ganz Asien. Ist Tokio als Metropole des Pop von Seoul abgelöst ?Hallyu - das ist das koreanische Wort dafür - begann vor vielleicht fünf Jahren; Auslöser war die enorme Popularität koreanischer Fernsehserien. Ich habe selber in einigen von diesen Serien mitgespielt, zum Beispiel in "Sang-du kommt in die Schule" oder in "A Love To Kill", wo ich einen Martial-Arts-Kämpfer darstelle. Aber die Frage ist gar nicht, wo sich das Zentrum der asiatischen Popkultur befindet. Früher war es in Hong Kong, dann wanderte es nach Tokio, heute ist vielleicht Seoul die wichtigste Stadt, na und? Wichtig ist, dass die asiatische Kultur immer weiter zusammenwächst, dass asiatische Künstler nicht nur in ihrem Heimatland auftreten können, sondern auch in den Nachbarstaaten - und überall auf der Welt! Das hilft ihnen dabei, ihre Talente zu entwickeln und ihre Kultur im Ganzen nach vorne zu bringen.Glauben Sie, dass sich auf Dauer so etwas wie eine pan-asiatische Kultur entwickelt?Sehen Sie, ich mache vor allem Musik, weil es mir Spaß macht; aber Musik ist auch immer ein Mittel, um Mauern niederzureißen: zwischen Nationen, Kulturen, Menschen. Es ist wichtig, dass die Menschen in Asien einander näherkommen, eine gemeinsame Sprache entwickeln. So wie Sie in Europa eine Europäische Union geschaffen haben, so entsteht in Asien gerade eine asiatische Union, wenigstens auf der kulturellen Ebene - vielleicht ist das der erste Schritt dahin, unsere Länder auch politisch und ökonomisch zusammenzubringen. Ich glaube fest daran, dass es eines Tages eine solche Union geben wird, und sie wird eine Weltmacht sein. Wir Entertainer können heute dabei helfen, sie zu erschaffen.Wenn Sie in China auftreten, in Taiwan oder auf den Philippinen - ändern Sie dann etwas an Ihren Songs, Ihren Choreografien?An meiner Musik und meinem Tanzstil ändere ich nichts. Aber wenn ich nach Japan gehe, dann singe ich etwas auf Japanisch. Viele koreanische Künstler machen das so. Es gibt kaum jemand, der zuhause in einer fremden Sprache singt; anders als in Europa, wo alle auf Englisch singen - so etwas ist in Korea selten. Aber wenn wir im Ausland auftreten, versuchen wir uns anzupassen.Im vergangenen Jahr haben Sie erstmals in den USA gespielt.Ja, im Madison Square Garden in New York, eine tolle Erfahrung. Im Publikum waren zu siebzig Prozent Asian Americans, der Rest waren Afro- und weiße Amerikaner. Ich habe auch ein Duett mit P. Diddy gesungen; der ist schon lange mit meinem Produzenten Park Jin Young befreundet.Sie haben auch mit Christina Aguilera duettiert.. ja, das war ein Werbespot, den Pepsi zur Fußball-WM produziert hat. "Da da da" heißt der Song, sehr lustig.Wussten Sie, dass es sich dabei ursprünglich um ein deutsches Lied handelt?Nein, im Ernst? Keine Ahnung.Es stammt von der Gruppe Trio aus Großenkneten.Verblüffend. Die koreanischen Teenager haben das geliebt, letzten Sommer.In dem Film "Ich bin ein Cyborg, aber das macht nichts", der jetzt auf der Berlinale vorgestellt wurde, erstaunen Sie durch ausgiebiges Jodeln. Wo haben Sie das gelernt?Oh, in Korea wird viel gejodelt, wir haben da eine ganz alte Jodel-Tradition. Ich habe aber auch einen sehr guten Lehrer gehabt, Suh Yong-ryul: das ist Koreas berühmtester Jodler, er reist regelmäßig in die Schweiz und lässt sich dort von den einheimischen Jodlern die besten Techniken beibringen.Das Gespräch führte Jens Balzer.------------------------------Foto: Jung Ji-hoon alias Rain bei einem Konzert in Seoul, im Oktober 2006; seine Welttournee hat der Künstler für die Berlinale unterbrochen.