Ich bin in die Music Box gekommen, um sie noch einmal zu sehen, bevor sie geschlossen wird", sagt Sandra Noa aus Hellersdorf. So wie die 22-Jährige äußern sich am Dienstag viele Besucher in Sonys "Klangerlebniswelt" am Potsdamer Platz. Heute von zehn bis 20 Uhr öffnet die Music Box ein letztes Mal. Noch einmal können Besucher die virtuellen Philharmoniker dirigieren, können im "U-Boot" zu Beatles-Musik nach "Pepperland" reisen und sich in einem Tonstudio von einem wieder auferstandenen Ludwig van Beethoven den Unterschied zwischen dem Komponieren zur damaligen und heutigen Zeit erklären lassen. "Es ist schön hier, schade, dass die Music Box dicht macht", sagt Sandra Noa.Einen Grund für die Schließung nennt Sony-Sprecherin Karin Püttmann: "Im Gesamtergebnis haben wir nicht genug Besucher gehabt." Statt der erhofften 600 000 zahlenden Gäste im ersten Jahr verloren sich in der Music Box seit der Eröffnung am 20. Januar vergangenen Jahres bis heute gerade mal 150 000 Besucher. Worauf das mangelnde Interesse ihrer Meinung nach zurückzuführen ist, sagt die Sony-Sprecherin nicht. Sie lässt nur durchblicken, dass das Konzept für die "Klangerlebniswelt" Schuld gewesen sei. "Wenn das Konzept in Ordnung gewesen wäre, hätten wir mehr Besucher gehabt." Neues Konzept gesuchtIn Mitarbeiterkreisen wird man genauer: "In Europa denkt man von Montag bis Freitag nicht an Freizeit", heißt es dort. Deswegen seien an normalen Wochentagen nur wenige Besucher gekommen. Am Wochenende seien die Zahlen vergleichsweise gut gewesen. Frank Roost, Architektursoziologe an der Technischen Universität (TU) Berlin, meint: "Das Konzept für die Music Box war zu anspruchsvoll für Leute, die nach Disneyland fahren. Für das Bildungsbürgertum dagegen war es zu simpel. Deswegen ist es nicht angekommen." Zwar versuchte Sony schon nach etwa einem halben Jahr durch reduzierte Eintrittspreise von 20 auf 15 Mark die Besucherzahlen zu erhöhen, doch blieb auch danach der Erfolg aus. Nun werde ein neues Konzept für die 2 400 Quadratmeter große Fläche, die die Music Box im Sony Center einnimmt, entwickelt, sagt Karin Püttmann. Von der Einrichtung werde nichts verkauft oder weggeworfen. Püttmann: "Es wird alles wieder verwendet." Wie das neue Konzept aussehen wird, dazu will sich Sony noch nicht äußern. Auch einen Termin für die Wiedereröffnung nennt Sony nicht. Von den 68 Mitarbeitern der Music Box werden die meisten die Neueröffnung wohl nicht mitfeiern. Die überwiegende Zahl hat einen befristeten Arbeitsvertrag, der Ende März ausläuft. Kinobetreiber machen weiterWährend Sony mit den Besucherzahlen in der Music Box nicht zufrieden ist, bezeichnet der Konzern die Resonanz im übrigen Center als "sehr, sehr großen Erfolg". Jeden Tag kommen laut Püttmann bis zu 20 000 Besucher in das neue Stadtviertel. Während der Filmfestspiele waren es sogar 30 000 bis 35 000. Die Büroflächen sind nach Angaben Sonys alle vermietet. Von den Eigentumswohnungen in der Esplanade-Residenz seien 35 Prozent verkauft, von den Forum-Appartements sei jede dritte Unterkunft vermietet.Die Betreiber der acht Cinestar-Kinos und des Imax-Kinos im Sony-Center sind zwar "noch nicht ganz zufrieden", wie Unternehmenssprecher Kai Lauterbach am Dienstag sagte. "Aber wir werden immer zufriedener." Das Cinestar-Haus im Sony Center habe sich fast zu einem Premierenkino entwickelt, wie beispielsweise die Europapremiere des Films "Drei Engel für Charlie" im vergangenen Jahr zeige. Man denke nicht ans Aufgeben: "Wir machen weiter."Am letzten Tag bis 20 Uhr geöffnet // Die Music Box im Sony Center wird heute geschlossen. Von 10 bis 20 Uhr können Besucher die "Klangerlebniswelt" zum letzten Mal sehen.Die Music Box bietet eine Reise durch die Welt der Musik. Besucher können beispielsweise die virtuellen Philharmoniker dirigieren und auf einer Wasserharfe musizieren.Die Music Box hat eine Fläche von 2 400 Quadratmetern. Das entspricht einem Anteil von etwa einem Prozent im gesamten Sony Center. Zum Center gehören acht Kinosäle, das Imax 3-D-Kino, das Filmhaus, Büros, Wohnungen, Restaurants.BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER (3) Ausgespielt: An der Wasserharfe in Sonys Music Box konnten die Besucher Töne erzeugen. Heute ist dazu das letzte Mal Gelegenheit.Rote Herzen, roter Mund: Blick in das Rundumkino der Music Box, in dem ein Berlinfilm gezeigt wurde.Das Logo der Music Box: Gelbe Note auf Lila-weiß.BERLINER ZEITUNG/DANIEL BRAUN Die Music Box liegt mitten im Sony Center und ist wie die Kinos vom überdachten Forum in der Mitte aus zu erreichen.