Als ich nach Paris zog, gab es in meinem Viertel einen Pferdemetzger, einen marokkanischen Gemüsehändler, einen verstaubten Schraubenladen, eine triperie, also eine auf Innereien spezialisierte Fleischerei. Es gab auch die Kunden dazu. Doch das ist jetzt anders. Aus Bäckereien sind Hotels geworden, aus Apotheken Restaurants. In der Pferdemetzgerei hat ein Bio-Imbiss aufgemacht, der Schraubenlanden handelt mit Wohnungen und die triperie wurde durch einen Kaffeeladen ersetzt. Das nördliche Marais, einst der abgerissene und untouristische Teil des jüdischen Viertels von Paris, ist heute eine Art Museumsdorf.

Die Soziologen nennen das „gentrification“. Auf gut Deutsch: Die Armen werden verdrängt, die Wohlhabenden kommen. Erst steigen die Immobilienpreise, dann die der Tomaten. Manchmal frage ich mich, ob ich Käse gekauft habe oder doch Antiquitäten. Coolness hat ihren Preis.

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