An diesem Sonnabend wird Günther Jikeli sie wieder vor sich haben, die 35 Meter hohe Stahlkonstruktion, die sich aus dem Bodden vor Usedom erhebt. Düster wirkt sie, doch Jikeli ist sie ein Fest wert. „Ein Brückenfest“, sagt der 70-Jährige. Der Turm bei Karnin war einmal eine Hubbrücke, deren Anschlüsse 1945 von der Wehrmacht gesprengt wurden. Warum lädt der Vorsitzende der Usedomer Eisenbahnfreunde und Chef der Insel-SPD auch die Berliner ein? „Über die Karniner Brücke fuhren einst Züge von Berlin nach Swinemünde und in andere Seebäder.“ Auf direktem Weg dampften sie zuletzt in zwei Stunden und 59 Minuten nach Ahlbeck. Heute fahren sie einen Umweg. Nach Ahlbeck sind die Fahrgäste nun mehr als vier Stunden unterwegs, und fast immer müssen sie umsteigen.

Ein 100-Millionenprojekt

Das Fest soll die Forderung Jikelis und seiner Mitstreiter unterstreichen: Die Brücke und die direkte Trasse müssen neu gebaut werden – elektrifiziert, für Tempo 120. Ein 100-Millionen-Euro-Projekt, das für Usedom ökologisch notwendig sei. „Ein Urlaubsgebiet, das in Abgasen, Staus und Verkehrslärm erstickt, nimmt sich selbst die Grundlagen seiner Existenz.“ Jikeli ist auf der Insel geboren. 1956 zog seine Mutter, die aus einer Fischerfamilie stammt, mit ihm aus der DDR fort. Nach deren Ende wollte Jikeli zurück. Seit 2010 wohnt der Chemiker mit seiner Frau, einer Kölnerin, in der Stadt Usedom.

Züge könnten ab 2021 fahren

Auf der direkten Strecke könnten die Berliner sogar in nur zwei Stunden in Ahlbeck sein – via Swinoujscie (Swinemünde) in Polen. 2014 teilte das Verkehrsministerium mit, dass es für den Bundesverkehrswegeplan auch dieses internationale Projekt erneut bewerten lässt, nach einer anderen Methodik. „Darauf haben wir jahrelang hingearbeitet“, sagt Jikeli. Anders als früher werde die Bewertung positiv sein. „Ab 2021 könnten die Züge fahren“, hofft er. Dann wird wieder gefeiert.