In der Vergangenheit war die Nachfrage oft größer als das Angebot, wenn es um Jobs in der Start-up-Branche ging. Nicht nur in New York, wo das Bild entstand, sondern auch in  Berlin. Derzeit geht es vielen jungen Unternehmen nicht so gut.
Foto:
Imago/Levine-Roberts

BerlinDie Berliner Start-up-Szene muss einen massiven Einbruch an Investitionen verkraften. Nach Berechnungen der Unternehmensberater von Ernst und Young (EY) sind in die jungen Unternehmen der Hauptstadt in den ersten sechs Monaten des Jahres nur noch 1,1 Milliarden Euro (Vorjahr: 2,1 Milliarden) investiert worden. Das ist ein Minus von 47 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.  

„Die Corona-Krise hat das deutsche Start-up-Ökosystem hart getroffen. Diese Wahrnehmung stützen nun auch die veröffentlichten Zahlen“, sagte Christian Miele, Vorsitzender des Start-up-Bundesverbandes, der Berliner Zeitung. Hart getroffen hat es die Bereiche, in denen es um Mobilität, Reisen und Finanzen geht.

Was besonders deutlich wird: Es fehlen die großen Finanzierungsrunden, die Geldgeber waren lediglich bereit, kleinere Start-ups zu fördern. In diesem Bereich ist die Zahl der Investitionen in Berlin sogar um 14 Prozent leicht nach oben gegangen. 

Wie auf vielen anderen Gebieten der Digitalisierung bleibt Bayern der hartnäckigste Verfolger der Hauptstadt. Zwar liegt die Gesamtsumme mit 773 Millionen Euro noch deutlich hinter Berlin, aber erstaunlich ist das Wachstum: Bayern hatte im Vergleichszeitraum des Vorjahres nur 204 Millionen Euro einsammeln können. Den größten Betrag erhielt das Start-up Lilium, das Flugtaxi-Unternehmen konnte im März 240 Millionen Dollar einsammeln. In Berlin war Grover am erfolgreichsten, das Start-up vermittelt Leihgeschäfte für Elektronikgeräte und erhielt im Januar 195 Millionen von internationalen Investoren.

Thomas Prüver, verantwortlich für den Bereich „Start-up“ bei Ernst und Young sieht die Hauptstadt trotz des Negativtrends auch im internationalen Vergleich weiterhin auf einem guten Weg. „Berlin hat das leistungsfähigste Ökosytem mit seiner Diversität und Internationalität. Außerdem sind die Kooperationen zwischen der Start-up-Szene, den Hochschulen und den Unternehmen am besten ausgeprägt“, ergänzte  Prüver. Miele erinnerte an die Forderungen des Start-up-Bundesverbandes, die Mitarbeiterbeteiligung den internationalen Gepflogenheiten anzupassen, damit Berlin nicht an Attraktivität verliert im Kampf um die weltweiten besten Talente. Und Miele forderte außerdem, dass die angeschobenen Start-up-Hilfen des Bundes und des Landes Berlin so schnell und einfach wie möglich bei den Start-ups ankommen.

Ramona Pop (Grüne), Berlins Wirtschaftssenatorin, hofft, dass die Fördermaßnahmen des Bundes und des Landes dann auch Wirkung zeigen werden, denn: „Innovation und Digitalisierung sind die Wachstumstreiber, um aus der Krise herauszuwachsen.“

Weitere aktuelle Themen