Ende Januar nahmen auch in Genf viele Menschen an einem weltweiten Protesttag gegen die fünfte Mobilfunkgeneration teil.
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SchweizKaum ein Land der Welt drückt beim 5G-Ausbau so auf das Tempo wie die Schweiz. Vom 5G-Musterland schwärmte die Zeitschrift Connect. Dabei sind die Grenzwerte für Mobilfunkstrahlung der Antennen zehnmal schärfer als anderswo. Das wird nun zum Problem.

Zwar gelten allgemein für Mobilfunksendeanlagen Immissionsgrenzwerte von bis zu 61 Volt pro Meter. Zusätzlich hat die Schweiz aber Grenzwerte für Anlagen in der Nähe von Wohnungen, Schulen, Krankenhäusern, Arbeits- und Spielplätzen erlassen. Dort gelten höchstens sechs Volt pro Meter. In den Städten sind die meisten Anlagen deshalb bereits am Limit.

Schweiz: Wirtschaft fürchtet um Spitzenplatz

Wirtschaft und Telekomverband (Asut) fürchten aus diesem Grund um den Spitzenplatz. Sie verlangen eine Lockerung der strengen Grenzwerte – während gleichzeitig aus Furcht vor mehr Strahlung der Widerstand gegen neue Antennen wächst. Einige Kantone in der Westschweiz haben schon ein Moratorium gegen den Bau weiterer 5G-Antennen erlassen.

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Am Protesttag gegen 5G demonstrierten Ende Januar laut Verein „Schutz vor Strahlung“ in 16 Städten 2000 Bürger. Wenn die Grenzwerte nicht gekippt werden, sei Schluss mit Musterländle, warnt der Industrieverband Economiesuisse: „Wenn in der Schweiz kein Netz zur Verfügung steht, werden neue Produkte, Dienstleistungen und Innovationen an einem anderen Ort entstehen.“

Jeder Zehnte hat Symptome einer Elektrosensibilität

Wenn die Grenzwerte bleiben, seien zu den 26.000 jetzigen Antennenstandorten gut 12.300 weitere nötig, hat eine Arbeitsgruppe des Umweltministeriums errechnet. Der Zeitbedarf für den Bau? „20 bis 30 Jahre.“ Das Netz könne aber mit vorhandenen Standorten international konkurrenzfähig ausgebaut werden, wenn der Grenzwert pro Anbieter auf elf oder für eine Anlage auf 20 Volt pro Meter erhöht werde. Das ist eine Horrorvorstellung für die Kritiker.

Es wird in drei, vier Jahren Anwendungen geben, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können.

Armin Schädeli, Sprecher der Schweizer Swisscom

Jeder zehnte Bürger habe Symptome einer Elektrosensibilität, die sich durch Erschöpfung, Schlafstörungen, Herzbeschwerden oder Muskelverspannungen bemerkbar machen könne, so die Bürgerinitiative, die eine Volksabstimmung für einen gesundheitsverträglichen und stromsparenden Mobilfunk anstrebt.

Wieso haben Schweizer bei 5G die Nase so weit vorn?

Viele Auflagen sollten verschärft werden, meint sie. So sollen Firmen bei der Planung von neuen Anlagen oder der Erhöhung der Leistung bestehender Anlagen künftig die schriftliche Einwilligung der Menschen brauchen, die im Umkreis von 400 Metern wohnen.

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Die beiden größten Schweizer Anbieter, Swisscom mit einem Marktanteil von rund 60 Prozent am Mobilfunk und Sunrise mit etwa 26 Prozent, treiben den 5G-Ausbau dennoch unbeirrt voran. Wieso haben die Schweizer im Vergleich zu Deutschland bei 5G die Nase so weit vorn?

Zum einen wegen der frühen und fairen Lizenzvergabe, sagt ein Branchenkenner. Nach der Versteigerung Anfang Februar 2019 begann der Betrieb im April. Da war in Deutschland gerade erst die Auktion gestartet. Zudem sei die Regierung nicht Milliardengewinnen nachgejagt. „Wenn Betreiber astronomische Beträge für die Lizenzen hinlegen müssen, bleibt weniger Geld für den Netzausbau“, sagt der Branchenkenner.

Schweiz: Beste Netze und neueste Standards

Zum anderen geben die Schweizer so viel Geld wie kaum ein anderes Land für Informations- und Kommunikationstechnik aus, verlangen dafür aber auch die besten Netze und die neuesten Standards. Das fordert die Anbieter. „In anderen Märkten reagieren Konsumenten stärker auf Preisunterschiede“, sagt Sunrise-Sprecher Rolf Ziebold.

Das 5G-Netz soll viel mehr Bandbreite, größere Übertragungsraten und kürzere Reaktionszeiten möglich machen. Das über Mobilfunknetze transportierte Datenvolumen verdoppelt sich nach Branchenschätzungen etwa alle 18 Monate. „Es wird in drei, vier Jahren Anwendungen geben, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können“, meint Swisscom-Sprecher Armin Schädeli.

Tipps der Stiftung Warentest

Die deutsche Stiftung Warentest unterzog die Argumente der 5G-Kritiker im Herbst einem Faktencheck.

Fazit: Nach aktuellem Stand der Forschung „besteht kaum Grund zur Sorge“, dass Handystrahlung Krebs verursache oder Spermien schade. Auch durch den 5G-Ausbau seien keine großen Veränderungen zu erwarten. Wer sich davon nicht beruhigen lässt, kann die Strahlenbelastung mit  simplen Methoden reduzieren. So helfe es, beim mobilen Telefonieren Abstand zu halten.

Bereits wenige Zentimeter Sicherheitsabstand zwischen Ohr und Handy senken demnach die Strahlenbelastung deutlich. Deshalb empfehlen die Warentester ein Headset oder eine Freisprechanlage.