Nur 15 Gramm wiegt das kleine Gerät, das den Nutzer informiert, wenn er die vorgeschriebenen Abstände nicht einhält. 
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München Bayerns derzeit vielleicht wichtigster Beitrag zum nordamerikanischen Profisport wirft weder Körbe noch trägt er einen Football durch gegnerische Verteidigerlinien. Es ist ein unscheinbares, rechteckiges, weißes Gerät, einige Zentimeter groß und 15 Gramm schwer. Es soll den Profiligen für Basketball und Football, NBA und NFL helfen, trotz Corona-Pandemie den Spielbetrieb zu ermöglichen. „Safe Zone“ heißt die Technologie des Münchner Unternehmens Kinexon, und ihr geht es vor allem um Abstand.

Im Prinzip funktionieren die Geräte ähnlich wie die bekannte deutsche Corona-Warn-App. Sie prüfen, wie nah zwei Sender einander kommen. Daraus ergeben sich zwei Anwendungsmöglichkeiten: Im einfachen Fall blinkt das Gerät, wenn ein eingestellter Mindestabstand unterschritten wird und gibt einen Warnton ab.

Zudem kann gespeichert werden, wie lange sich zwei Chips nahe gekommen sind, damit im Falle einer Infektion nachvollzogen werden kann, wer sich möglicherweise angesteckt hat, weil er lange genug dem Infizierten nahe war. Weil nur der Abstand, nicht aber der Ort gemessen wird und die Daten pseudonymisiert erhoben werden, sei der Datenschutz gewährleistet, versichert Mitgründer Oliver Trinchera. „Niemand muss wissen, wer die infizierte Person ist“, sagt er. Mit wenigen Ausnahmen natürlich, denn das Gerät muss die Information erhalten, dass ein Nutzer positiv getestet worden ist, sonst ist kein Informationsfluss möglich. Eine Aufgabe für ausgewählte Vertrauenspersonen.

Das Gerät am Handgelenk, auch Weara­ble genannt, verfügt über einen Sen­sor zur zen­ti­me­ter­ge­nau­en Abstands­mes­sung. Die Corona-Warn-App muss dagegen die Technik nutzen, die Smartphones an Bord haben. „Wir nutzen dagegen die Signallaufzeit zwischen zwei Geräten“, erklärt Trinchera. Das sei viel genauer als eine auf der Stärke des Bluetooth-Signals basierende Messung und werde auch nicht beeinflusst, wenn beispielsweise jemand zwischen den beiden Geräten stehe.

NBA und NFL nutzen die Technologie 

Die NBA nutzt die Technologie für ihr Saisonabschlussturnier, für das sich alle Mannschaften auf dem Gelände von Disney World in Orlando zusammengefunden haben und von der Außenwelt weitgehend isoliert werden. Die NFL verwendet die Technologie derzeit in der Vorbereitungsphase auf die Saison. Auch in Deutschland kam die Technologie bereits zum Einsatz: beim Finalturnier der Basketball-Bundesliga in München.

Dass Kinexon bei so vielen Sportereignissen zum Zug kommt, liegt auch daran, dass das Unternehmen schon länger im Sportbereich tätig ist. Mit Geräten des Unternehmens lassen sich auch Leistungsdaten von Profisportlern erheben. Das Produkt Safe Zone ist letztlich nur eine Ableitung dieser Technologie. 70 Prozent der NBA-Vereine nutzten die Technik zur Messung der Leistungsdaten, sagt Trinchera. Und dass in Deutschland beim Finalturnier der Basketball-Bundesliga ein ähnliches Konzept wie jetzt in den USA bereits eingesetzt worden sei, habe sicherlich auch geholfen.

Der Sport ist nicht der einzige Nutzer von Safe Zone. Auch in der Industrie wird die Technologie eingesetzt, um beispielsweise in der Fertigung Abstände zwischen Mitarbeitern zu überwachen und im Falle einer Infektion zielgenau vorgehen zu können. „Anstel­le von voll­stän­di­gen Qua­ran­tä­nen, die letzt­lich einen Still­stand im Betrieb bedeu­ten, ermög­li­chen wir Prä­ven­ti­ons­stra­te­gien durch das Ein­hal­ten von Min­dest­ab­stän­den und die prä­zi­se Rück­ver­fol­gung von Infektionsketten“, sagt Alexander Hüttenbrink  Geschäftsführer von Kinexon.

Zu den Kunden gehört unter anderem der Großkonzern Henkel. Das Unternehmen setzt die Technik derzeit in einem Werk in Polen ein. „Die Technologie ist vielversprechend und wir prüfen, ob wir die Nutzung weiter ausrollen“, so eine Sprecherin.

Kinexon selbst designt seine Produkte nur, gefertigt werden sie allerdings ebenfalls in Bayern, wie Trinchera sagt. Derzeit hat das Unternehmen rund 200 Mitarbeiter an drei Standorten: München, New York und Chicago.