Die Wissenschaftsstadt Adlershof ist Deutschlands größter Wissenschafts- und Technologiepark. Insgesamt forschen und produzieren hier 1041 Firmen mit mehr als 17.600 Mitarbeitern. Hinzu kommen 6700 Studenten der Humboldt-Universität, die in Adlershof in den vergangenen Jahren sechs Institute (Informatik, Mathematik, Chemie, Physik, Geografie und Psychologie) eröffnet hat.

Die Qualitäten des Standorts haben sich in der ganzen Welt herumgesprochen. Mittlerweile ließen sich internationale Schwergewichte wie Audi, Porsche oder Trumpf nieder. Im vergangenen Jahr etwa kaufte das schwäbische Werkzeugmaschinenunternehmen mit dem Milliardenumsatz das Adlershofer Start-up „c2go inprocess solutions“, einen Spezialisten für Pilotfertigungen im Halbleiterbereich, und liegt damit voll im Trend: Adlershof ist DIE deutsche Start-up-Schmiede. Innovative aus allen Branchen zieht es in den Südosten der Stadt. Der Berliner Zeitung zeigt die erfolgversprechendsten Firmen.

Bereich Medizin: So zum Beispiel Vaxxilon, im vergangenen Jahr als „Wissenschafts-Start-up des Jahres“ ausgezeichnet. Das Unternehmen will synthetische Impfstoffe auf Basis von Kohlenhydraten erforschen, entwickeln und letztendlich vermarkten – Impfstoffe aus Zucker also, die 2025 in Berlin eingesetzt werden könnten. Auch die Entwicklungen von Barron Biomedical dürften in den kommenden Jahren Zehntausende Hauptstädter betreffen. Die Biotechfirma will mit „personalisierter Medizin“ individuell wirksame Medikamente für Krebstherapien identifizieren – unnütze, belastende Behandlungen sollen so von vornherein vermieden werden. „Diamond inventics“ versucht, ein Labor im Scheckkartenformat zu etablieren, mit dem Legionellenschnelltests möglich werden.

1,944 Milliarden Euro Umsatz und Haushaltsmittel

Bereich IT und Medien: „Inuru“ bringt mithilfe einer gedruckten Batterie (0,35 Millimeter dünn) Zeitungswerbung zum Leuchten, die Berliner Zeitung dürfte in acht Jahren Videos auf Papier abspielen können. „Sicoya“ entwickelte Transceiver, die elektrische in optische
Impulse umwandeln. Statt wie bisher über Kupferkabel werden in Zukunft Nachrichten via Licht durch eine Glasfaser geschickt. Transceiver wandeln die Impulse um, Sicoya ist eines von fünf Unternehmen weltweit, das diese Technik beherrscht.

Bereich Verkehr: Das Start-up „ICE Gateway“ sorgt für eine neue, „allwissende“ Generation von Straßenlampen. Diese verbrauchen weniger Strom als die herkömmlichen Laternen. „Je nach Tageszeit, Verkehrs- oder Personenaufkommen kann die Beleuchtung mit festem Programm oder über Sensoren gesteuert werden“, so Gründer Ramin Mokhtari. Bis zu 60 Prozent Energie könnten so eingespart werden. Außerdem versorgen die Lampen die Umgebung mit WLAN oder sammeln Daten über die Verkehrssituation. Staus und freie Parkplätze können in wenigen Millisekunden an Berliner Fahrzeuge in der Nähe gesendet werden.

Dass der Plan funktionieren kann (und 2025 möglicherweise in der ganzen Stadt eingesetzt werden wird), zeigt ein Pilotprojekt in Adlershof selbst. Auf dem Gelände des Wissenschaftsstandorts wurden bereits fünf Laternen von „ICE Gateway“ ausgerüstet, weitere 32 sollen folgen. Die Wagen, die dann angesteuert werden, könnten dank der Erfindung von „Graforce Hydro“ angetrieben werden. Dort wird an einer preiswerten Gewinnung von Wasserstoff aus Leitungswasser geforscht – dem Treibstoff der Zukunft.

An Reisen in (sehr viel) weitere Regionen ist Berlin Space Technologies (BST) beteiligt, ein Spezialist für Kleinsatellitensysteme mit 30 bis 150 Kilogramm Startmasse. 2010 von Matthias Buhl, Björn Danziger und Tom Segert gegründet, beschäftigt BST derzeit mehr als 20 Mitarbeiter. Hier wird an kostengünstigen Raumfahrtprojekten „gebastelt“. BST ist eines von nur drei Unternehmen, die in Deutschland aktuell einen Satelliten bauen. Zudem installierten die Adlershofer bereits erfolgreich Hardware auf der Internationalen Raumstation.

Roland Sillmann, Geschäftsführer des für Adlershof verantwortlichen WISTA-Managements: „Wir leisten nicht nur einen wichtigen Beitrag zum wirtschaftlichen Fundament unserer Stadt, sondern auch dafür, dass sich Berlin als einer der erfolgreichsten Innovationsstandorte innerhalb Europas etablieren kann“. Die Umsätze und Haushaltsmittel aller in Adlershof angesiedelten Firmen lagen mit 1,944 Milliarden Euro 7,4 Prozent über denen des Vorjahres. Rechnet man die Fördermittel in Höhe von 95,1 Millionen Euro hinzu, steigt der Betrag auf mehr als zwei Milliarden Euro.

In den kommenden Jahren soll dieser Standort weiter ausgebaut werden. Bis 2019 entsteht unter anderem das neue Landeslabor Berlin-Brandenburg. Zu den bislang 2300 errichteten Wohnungen sind weitere 1000 geplant. Außerdem ist eine engere Kooperation mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Karlshorst und Oberschöneweide geplant. Und auch das bislang brach liegende Gelände entlang der S-Bahn-Trasse wurde nach jahrelangem Streit endlich erschlossen.