Schimmelpilze, kaputte Heizung, fehlende Klodeckel – in Ferienwohnungen findet man die abenteuerlichsten Zustände vor. Was ein Airbnb-Gast aber jüngst in einer Wohnung sah, ist in keinem Standard-Katalog vermerkt.

In der Raumecke neben der Gardinenstange entdeckte er ein seltsames Gerät, das er zunächst für einen Bewegungsmelder hielt. Als er das ominöse Objekt abnahm und genauer inspizierte, sah er, dass es sich um eine internetfähige Kamera handelte.

Ein Freund des Finders, Jason Scott sein Name, der beim Internet Archive arbeitet, postete auf Twitter das Foto seines Kollegen, das den Corpus Delicti zeigte. Der Wohnungseigentümer wurde inzwischen von der Plattform verbannt, Airbnb erstattete dem Kunden die Übernachtungskosten. „Es gibt für diese Art des Verhaltens absolut keinen Platz in unserer Gemeinschaft“, teilte Airbnb-Pressesprecher Jeffrey Henry mit.

Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art. Im Oktober entdeckte ein Ehepaar aus Indiana in einer Ferienwohnung in Longboat Key in Florida (die über 40 positive Bewertungen auf Airbnb erhalten hatte), dass in ihrem Schlafzimmer eine Kamera installiert war. Die Kamera war diskret im Rauchmelder versteckt und direkt auf das Bett gerichtet. Die Kamera hatte den Aufenthalt des Paares mitgefilmt.

Videokamera im Regal

Der Mann verständigte daraufhin die Polizei, die die gesamte Computerausstattung – Festplatten, Laptops, PCs, Speicherkarten – beschlagnahmte. Der Wohnungseigentümer ist mittlerweile wegen „Video-Voyeurismus“ angeklagt.

Die britische Zeitung Observer berichtete von einem weiteren Fall in einer Wohnung im kanadischen Waterloo, die von acht Personen an Silvester 2014 angemietet worden war. Eine Frau fand im Schlafzimmer, in dem sie mit ihrem Freund übernachtete, im Regal eine an einer Korbtasche befestigte Dropcam, die in Richtung Bett justiert war.

Offensichtlich wollte der Besitzer das Paar beim Sex filmen. Als die Gruppe die Wohnung durchkämmte, fand sie zwei weitere Kameras – eine in der Küche, die andere im Wohnzimmer unterm Fernseher.

Eine deutsche Touristin, die mit ihrem Freund und im Dezember 2013 eine über Airbnb gebuchte Wohnung in Irving in Kalifornien bezog, machte eines Abends eine seltsame Entdeckung: Als ihr Partner zum Abendessen ein paar Kerzen anzünden wollte, sah er in der Regalwand ein blinkendes Licht, das sich als eingeschaltete Videokamera entpuppte.

Die ferngesteuerte Kamera nahm dabei auch Ton auf. Die Aufzählung von weiteren Fällen wäre leicht möglich. Und Vermieter diskutierten im vergangenen Jahr auf der Airbnb-Plattform, ob sie Gäste informieren müssten, wenn sie in der Wohnung – nicht im Bad oder Schlafzimmer, aber in anderen Räumen – Kameras installieren wollten.

Geringer Erholungsfaktor

Die Frau verklagte daraufhin den Zimmervermittler vor einem Gericht in San Francisco. Ihr Anwalt rügte eine Verletzung der Privatsphäre. Seine Mandantin habe sich über die Dauer des Aufenthalts arglos verhalten und sei nackt durch die Wohnung gelaufen.

Auch seien vertrauliche Gespräche aufgezeichnet worden. Ein Airbnb-Sprecher sagte damals, man nehme die Privatsphäre „extrem ernst“. Aber es gibt auch Stimmen, die darauf hinweisen, dass diese Methode weiter verbreitet sei als viele denken. Das sagte zumindest Steve Parkin, der sich bei dem US-Unternehmen TapSweep Surveillance Services um den Schutz vor Überwachung kümmert.

Das Portal Mashable hat derweil eine Handreichung veröffentlicht, wie man versteckte Kameras entlarven kann – auch dort, wo man sie zunächst nicht vermutet, etwa in Schrauben oder Weckern.

Wer Zweifel habe, solle ein Handtuch über das verdächtige Gerät hängen. Doch kann das die Lösung sein? Wenn man hinter jeder Öffnung und Regelwand eine Kamera wittern muss, ist der Erholungsfaktor schnell vorbei.