Alexander Kudlich.
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BerlinMan braucht nicht viel Fantasie, um sich den jungenhaft wirkenden 40-Jährigen in einem Rosamunde-Pilcher-Film vorzustellen. Alexander Kudlich, gebildet, gut aussehend und mutmaßlich wohlhabend, kommt wahrscheinlich auch dem prototypischen Traum aller Schwiegermütter sehr nahe.

Tatsächlich gibt es da aber noch ein paar andere Dimensionen. Gerade hat Kudlich bewiesen, dass er es vermag, Investoren selbst unter schwierigsten Bedingungen davon zu überzeugen, ihm sehr viel Geld anzuvertrauen. Denn während sich die Volkswirtschaften in der tiefsten Krise seit Jahrzehnten befinden, baute Kudlich zusammen dem Ex-Airbnb-Manager und Firmengründer Florian Seibert aus dem Silicon Valley sowie dem Rocket-Internet-Manager Ludwig Ensthaler in genau den vergangenen drei Krisenmonaten einen Investmentfonds für Start-ups auf.

Dafür sammelten die drei etwa bei institutionellen Anlegern 170 Millionen Euro ein. Nun sollen mit dem Fonds namens 468 Capital von Berlin aus Jungunternehmen insbesondere aus den noch immer nur zaghaft unterstützten, aber zukunftsträchtigen Bereichen Künstliche Intelligenz, Machine Learning, Open Source und Automation angeschoben werden.

Dass Kudlich dafür zuverlässig die erfolgversprechendsten Start-ups zu finden vermag, ist eine weitere Dimension des studierten (St. Gallen, London, Berlin) Betriebswirts und Philosophen. Die Beweise dafür lieferte er bei der Berliner Firmenfabrik Rocket Internet. Dort war Kudlich über Jahre die rechte Hand des umstrittenen Firmenchefs Oliver Samwer und trieb das Geschäftsmodell zur Perfektion, erfolgreiche Geschäftsmodelle zu kopieren. „VW oder Toyota bauen Autos, wir bauen Internetfirmen“, hatte Kudlich einmal in einem Interview gesagt.

Unter seiner Führung war Rocket Internet in der Lage, neue Firmen in weniger als vier Wochen in mehreren Ländern an den  Start zu bringen und sie zu Marktführern zu machen. Die jeweiligen Firmengründer lieferte Rockets Personalabteilung gleich mit. Als Kudlich in diesem März seinen Dienst bei Rocket Internet auf eigenen Wunsch quittierte, lobte Samwer Kudlich als „großartigen Vorstand“ mit einem „tiefen Verständnis für unser Geschäftsmodell“.

Tatsächlich hatte sich Kudlich auch selbst an verschiedenen Start-ups beteiligt und sehr früh etwa in den Kochboxenversender Hellofresh oder den Essenslieferanten Delivery Hero investiert. Seine Anteile hält er bis heute. An der Börse werden die beiden Firmen inzwischen mit zusammen knapp 23 Milliarden Euro bewertet. Auch so eine Dimension.