Wer möchte nicht rechtzeitig gewarnt werden, wenn er besonders unter Stress steht und er dabei ist, sich zu überlasten? Immerhin könnte das vor dauernder Überforderung schützen, vielleicht am Ende gar vor Burn-out.

Amerikanische Software-Entwickler haben nun eine App für Android-Geräte entwickelt, die aus jedem Smartphone einen Stresstester machen können. Die App analysiert das Sprechverhalten – zum Beispiel beim Telefonieren – und kann den Nutzer mit einer Sicherheit von mehr als 80 Prozent auf Stresssymptome hinweisen, entweder den ganzen Tag lang oder nur in bestimmten Situationen. „StressSense“, so der Name der App, wurde jetzt auf einer Konferenz in Pittsburgh vorgestellt.

Stress am Sprechmuster erkannt

„In Handys integrierte Mikrofone bieten eine Möglichkeit, dass Stressniveau während des Alltags ununterbrochen und ohne invasive Methoden zu messen“, sagte Hong Lu vom Intel-Forschungszentrum in Santa Clara, das mit anderen Universitäten in der Schweiz und den USA zusammenarbeitet.

Gemessen wird der Stress am Sprechmuster – hastig gesprochenen Sätzen oder einer veränderten Tonlage. Um das individuelle Muster zu erfassen, wird das Programm zuvor mit einem über drei Minuten stressfrei vorgelesenen Text geeicht. Mit 14 Testpersonen, die in Stresssituationen gebracht wurden – etwa bei einem fingierten Vorstellungsgespräch –, überprüften die Forscher die Zuverlässigkeit des Programms. Um Vergleichsdaten zu erhalten, wurden die Probanden zusätzlich mit einem Hautsensor ausgestattet, der die Schweißentwicklung maß. Die Treffsicherheit der App lag in geschlossenen Räumen bei 81 Prozent. Zweck der Erfindung soll sein, den Nutzern ein Maß für persönliches Wohlbefinden zu liefern.

Auch Münchner Studenten an Lösungen dran

Auch anderswo wird nach technischen Lösungen gesucht, weil Stresserkrankungen wie Burn-out und Depressionen immer mehr Menschen treffen. Erst jüngst wurde berichtet, dass drei Münchner Studenten der Physik, Informatik und Mathematik seit 2011 an einer App arbeiten, die Stresssymptome und Krankheiten erkennen und Tipps geben soll, wie man gegen diese vorgehen kann.

Aus Gesprächen mit Medizinern und Psychologen trugen sie mögliche Parameter zusammen, die auf Depressionen hinweisen könnten. Zum Beispiel eine viel weniger modulierende, monotonere, langsamere Sprechweise. Das Handy soll auch unruhigen Schlaf messen können, etwa anhand des nächtlichen Hin- und Herwälzens.

Hilfsprogramm für traumatisierte Kriegsveteranen

Auch das US-Department für Kriegsveteranen hat bereits ein Programm zum Herunterladen angeboten, das Soldaten, die nach dem Kriegseinsatz an Posttraumatischer Belastungsstörung leiden, den Umgang mit den Symptomen erleichtern soll. Es heißt „PTSD-Coach“ und bietet psychotherapeutische Übungen, die die Betroffenen beruhigen sollen. Im Notfall stellt das Programm die Verbindung zu einer Selbsthilfe-Hotline her.

Eine Forschergruppe aus Massachusetts wiederum arbeitet an einer Anwendung, die mittels Sensoren an Fußgelenk und Brust arbeiten soll. Bei heftig ansteigendem Puls und Schweißausbrüchen soll ein Signal ans Handy gehen. Dort erscheinen dann therapeutische Informationen. Solche Anwendungen sollen vor allem Menschen eine gewisse Art von Hilfe bieten, die sich sonst scheuen zu Psychologen zu gehen. Einen Therapeuten kann sie nicht ersetzen. (mit wsa)