Das Freizeitvergnügen vieler Kinder: Das Computerspiel „Fortnite“ auf dem Handy zocken. 
Foto: dpa/Herwiin Bahar

Tim Sweeney, heißt der Mann, der sich sehr selbstbewusst mit einem der mächtigsten Konzerne der Welt angelegt hat. Sweeney ist der Chef von Epic Games, das Unternehmen führt gerade einen heftigen Streit mit Apple. Einer der Investoren bei Epic Games sagte der New York Times, dass Sweeney die Vision einer fairen und offen Welt verfolge. Aber es geht in dem Streit auch um Geld, um sehr viel Geld.

Bisher war es so, dass die beiden Tech-Giganten Apple und Google immer 30 Prozent des Umsatzes kassierten, wenn jemand eine App kaufte oder einen kostenpflichtigen In-App-Kauf tätigte. Um die Dimension klarzumachen: Alleine in Deutschland wurden im vergangenen Jahr insgesamt zwei Milliarden Apps heruntergeladen, allerdings waren nicht alle kostenpflichtig. Die Umsatzbeteiligung in Höhe von 30 Prozent ist übrigens in gängigen Gaming-Stores auch üblich. 

Die Tech-Giganten begründeten ihre Maßnahme mit dem Hinweis auf Sicherheit. Vor allem Apple ist dafür bekannt, neue Angebote eingehend zu prüfen, wie sicher sie gegen Hackerangriffe geschützt sind. Epic Games will dagegen, dass jeder seine Apps überall herunterladen kann, im Zweifel also auch aus dubiosen Quellen.

Der Streit begann am 14. August, als Apple und Google beschlossen, die Epic-Games-Produkte aus ihren Stores zu entfernen. Hintergrund: Nachdem der iPhone-Konzern Änderungen an den Geschäftsbedingungen abgelehnt hatte, bauten die Epic-Entwickler in der App die vertraglich verbotene Möglichkeit ein, die Artikel auch direkt bei Epic  kaufen zu können. 

Grafik: BLZ/Sabine Hecher, Quelle;  LendEDU

Noch am selben Tag warf Apple die „Fortnite“-App unter Verweis auf den Regelverstoß aus dem App-Store. Außerdem entfernte Apple die Grafik-Technologie Unreal Engine, entwickelt von Epic, von seiner Entwickler-Plattform. Der Spiele-Hersteller reichte umgehend Klage gegen Apple ein. Und so eskaliert die Auseinandersetzung von Tag zu Tag mehr. Die Süddeutsche Zeitung spekulierte bereits, dass es am Ende nur Verlierer geben könnte. Danach sieht es tatsächlich aus.

Der aktuelle Zwischenstand: Eine Richterin in Kalifornien hat den iPhone-Konzern gebremst. Apple dürfe vorerst Unreal Engine nicht von seiner Entwickler-Plattform entfernen, entschied sie Anfang der Woche. Zugleich wies sie aber in ihrer Eil-Entscheidung den Antrag von Epic zurück, den Rauswurf des Spiels „Fortnite“ aus dem App-Store rückgängig zu machen.

Während die New York Times Sweeney als kämpferischen Unternehmer darstellt, gibt es allerdings auch erstaunliche Wirtschaftsinteressen im Hintergrund. Den größten Anteil an Epic Games hält seit acht Jahren der chinesische Konzern Tencent, der für den Schnäppchen-Preis von 330 Millionen Dollar 48 Prozent der Anteile an Epic Games kaufen konnte. Es ist also auch möglich, dass politische Aspekte eine Rolle spielen in dem Konflikt. Sweeney schrieb auf Twitter allerdings nur, dass es ihm um Zugänge zu Plattformen und Chancengleichheit für alle Entwickler gehe.