Der Autor Tom Sadowski.
Foto: Murmann Verlag

BerlinEines Nachts wachte der ehemalige Apple-Mitarbeiter Tom Sadowski schweißgebadet auf und hatte ein Inhaltsverzeichnis im Kopf. „Ich hatte das Gefühl, ich muss meine Erfahrungen aufschreiben“, erinnert er sich. Der Titel suggeriert noch mehr. „App Store Confidential“ – es soll also um Vertrauliches aus dem Konzern gehen.

Leider wird das Buch schnell zu einer Produktenttäuschung, denn es hält nicht, was sein Titel verspricht. „Ich werde keine Geheimnisse verraten und irgendwelche vertraulichen Angelegenheiten enthüllen. Alle Fakten aus diesem Buch sind öffentlich zugänglich“, schreibt Sadowski schon in seinem Vorwort.

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Persönliche Erlebnisse bei Apple

Einen Report aus dem Innersten des Apple-Konzerns wollte und konnte Sadowski nicht liefern, auch aus juristischen Gründen. „Ich gebe aber zu, dass der Titel suggeriert, dass da Vertrauliches verraten wird“, sagt Sadowski bei seiner Buch-Präsentation in Berlin.

Seine 180 Seiten sind eine Mischung aus persönlichen Erlebnissen bei Apple, etwa wenn der Autor beschreibt, wie 2010 ein Marketing-Deal zwischen der Bild-Zeitung und Apple im letzten Moment gestoppt wurde, denn: „There have been a number of questions raised by different teams about the suitablity of working with Bild as a brand“, teilte ihm eine Apple-Mitarbeiterin mit. Apple machte also einen Rückzieher, weil der Konzern Bedenken hatte, ob das Image der Boulevard-Zeitung zum Tech-Konzern passen würde.

Ratgeber für App-Entwickler

In dem Buch ändert der Autor schon kurz vor der Hälfte die Blickrichtung und beschäftigt sich nicht mehr mit seinen Erfahrungen im Konzern, sondern wird zu einer Art Ratgeber für App-Entwickler. Für diese ist das Buch eigentlich geschrieben. Sadowski hat als ehemaliger iTunes-Manager jede Menge Tipps für junge Entwickler parat. Insofern: Das Buch hat durchaus seinen Nutzen, nur nicht für die Leser, die mehr über das Innenleben des Konzerns gewusst hätten.

Umso erstaunlicher ist die Nachricht, dass Apple gegen Sadowskis Buch vorging. Kurz vor der Veröffentlichung erging eine Unterlassungserklärungen an den Autor und den Hamburger Murmann-Verlag. „Dem sind wir nicht gefolgt“, sagte Programmgeschäftsführer Peter Felixberger der Süddeutschen Zeitung. „Seitdem ruht der See.“

Am 3. März lief eine Frist ab, nach der Apple eine einstweilige Verfügung hätte einreichen können. Juristisch sei es aber dennoch immer noch möglich, gegen das Buch vorzugehen, sagt Sadowski.

Keine spannenden Interna

Doch so weit wird es wohl nicht kommen. Letztlich ist „App Store Confidential“ nicht mehr als eine Art Handreichung zum Entwickeln erfolgreicher Apps, und das ist ja im beiderseitigen Interesse, für die Entwickler genauso wie für den Apple-Konzern.

Sadowski sagt im St. Oberholz am Ende, dass es durchaus einige spannende Interna gebe, die im Buch nicht vorkommen. Die Besucher der Buch-Vorstellung horchten auf in dem Moment, doch schnell folgte die nächste Enttäuschung. „Die werde ich Ihnen aber auch jetzt nicht verraten“, sagte Sadowski. Schade eigentlich, Chance vertan.  

„App Store Confidential“, Tom Sadowski, Murmann-Verlag, 183 Seiten, 18 Euro.