Stellt man sich das Büro der Zukunft vor, hat man meist Szenen wie in einem Science-Fiction-Film vor Augen: Dreidimensionale, frei im Raum schwebende Hologramme werden über Gesten und Sprachanweisungen gesteuert. Tastaturen und Bildschirme gibt es nicht mehr.

Alle Daten und Informationen kommen aus der Cloud und sind überall mobil verfügbar. „Doch das wird 2025 nicht der Fall sein. Davon sind wir noch zu weit entfernt“, sagt Jenö Kleemann, Gründungsmitglied und Partner der Eurocres Consulting GmbH, ein Beratungsunternehmen, für Arbeitsplatzmanagement in Berlin-Charlottenburg.  

Die Firma entwickelt zukunftsweisende Arbeitswelten und optimiert Büroimmobilien und Arbeitsprozessbeziehungen. „Das Büro der Zukunft wird anders ausgestattet sein. Man möchte ein Umfeld schaffen, das inspiriert und in dem die Mitarbeiter kreativ arbeiten können“, sagt er.

„Beispielsweise durch einen Raum mit Loungemöbeln, Schaukel oder Massageliege. Es ist wichtig, multifunktionale Raum- und Arbeitsangebote zu schaffen, welche die individuellen Anforderungen und variablen Arbeitsaufgaben bestmöglich unterstützen“. 

„Ein anderer Trend der Zukunft ist es, die Menschen wieder in Bewegung zu bringen. Gesundheitsförderung wird ein noch größeres Thema“, sagt Jenö Kleemann. In Deutschland arbeiten rund 18 Millionen Menschen im Büro. Laut wissenschaftlicher Studien verbringen die Mitarbeiter 85 Prozent der Zeit im Büro im Sitzen. „Das führt zu einem deutlichen Bewegungsmangel und ist sehr gesundheitsgefährdend. Neben Muskel- und Skeletterkrankungen können Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Probleme oder sogar Krebs die Folge sein“, sagt Kleemann. 

Um dem entgegenzuwirken, hat Eurocres das Active Office entwickelt. Den Prototypen gibt es im Europacenterin der 17. Etage. Dort arbeiten die Mitarbeiter schon in einem „Büro der Zukunft“. Multifunktionale Büromöbel, spezielle Teppiche oder Sportgeräte bringen sie in Bewegung und fördern ihre Gesundheit, Produktivität und Kreativität. Einige große Firmen wie Union Investment, BASF oder auch Sparkassen haben das Bürokonzept bereits übernommen.

Spartanische Großraumbüros aus Glas und Beton, in denen nur digitale Technik steht, gehören also nur zum Teil zur Arbeitswelt von morgen. Doch nicht nur die Innenausstattung wird sich bis 2025 verändern. Die gesamte Architektur wird umgedacht.

„In Zukunft werden Büroräume sehr viel flexibler und offener sein als in den letzten Jahrzehnten, in denen eher starre und kleine Raumstrukturen für mehrere Menschen gebaut wurden. Die Mitarbeiter einer Firma sind auf Austausch angewiesen, denn nur so kann sich ein Gefühl von Gemeinsamkeit einstellen, das die Zufriedenheit und Produktivität steigert“, sagt Architekt Lars Krückeberg (50) von Graft. 

Keine Einzelbüros mehr

Die drei Gründungspartner des Architekturbüros, Lars Krückeberg, Wolfram Putz und Thomas Willemeit, beschäftigen sich schon länger mit der Idee vom „Büro der Zukunft“. „Saß der Chef bisher meistens abgeschirmt im Einzelbüro, wird er oder sie durch offenere Strukturen in Zukunft näher an den Mitarbeitern platziert sein“, so ­Krückeberg.

Zusätzlich wird ein Raum wie die Cafeteria nicht mehr nur eine Durchlaufkantine sein, sondern zu einem sozialen Raum werden, in dem Austausch stattfinden soll. Die Arbeitssituationen werden individueller und flexibler, der feste Sitzplatz wird an Bedeutsamkeit verlieren.

In Zukunft erledigen Beschäftigte Tätigkeiten noch häufiger unterwegs. Ein Schreibtisch ist deshalb nicht mehr nur einer Person zugeschrieben, sondern wird von mehreren Kollegen geteilt.

Das spart wiederum Raumkosten ein. Gleichzeitig ist das Büro digitaler als heute. „Mittlerweile gibt es Apps, mit denen sich Temperatur, Gerücheoder Sounds steuern und kontrollieren lassen“, sagt Thomas Willemeit (49). Selbst die Raumwände lassen sich dank neuester Technik in ein Internetfenster oder in digitale Präsentationsflächen verwandeln. 

Doch trotz der zunehmenden Digitalisierung und Flexibilisierung: Das Büro an sich wird es auch in Zukunft geben. Nach Einschätzung der Berliner Architekten wird das Büro der Zukunft zu einem lebendigen Ort, an dem Arbeiten und Wohnen miteinander verbunden werden und die Grenzen verschwimmen.

„Die Idee, dass man zu Hause ,nur‘ schläft und im Büro ,nur‘ arbeitet, hat ausgedient“, sagt Wolfram Putz. Mit ihrem Projekt Eckwerk – Teil des Projektes Holzmarkt in Friedrichshain (in Zusammenarbeit mit der Genossenschaft für urbane Kreativität und dem Büro Kleihues+Kleihues) – arbeitet Graft bereits an einem solchen Zukunftsmodell. „Immer mehr Menschen wollen und werden auch in Coworking Spaces arbeiten. Kreative, Start-up-Mitarbeiter und digitale Nomaden arbeiten zugleich in offenen Räumen und können so voneinander profitieren.“  

Auch der Aspekt der Nachhaltigkeit wird in den nächsten Jahren weiterhin an Bedeutung gewinnen. Es gilt, Bürogebäude zu entwickeln, die etwa ihre eigene Energie produzieren. Das ambitionierte Bauprojekt „Eckwerk“ beinhaltet Flächen für die Fischzucht und Dachgärten, deren Erzeugnisse von den Bewohnern im Restaurant verwertet und gegessen werden können.

Ausgewogene Work-Life-Balance

Das sorgt für den nötigen Ausgleich. „Die Menschen brauchen neben neuen Arbeitsräumen eine ausgewogene Work-Life-Balance“, sagt Willemeit. Das Eckwerk-Konzept beinhaltet eine nur temporäre Nutzung der Räumlichkeiten, um vielen die Zusammenarbeit zu ermöglichen.

Wenn die Welt hektischer wird, sei ein Gegenpol wichtig – auch im Büro. Deshalb könnten die Büroräume 2025 ganz unterschiedlich aussehen. Sicher sei jedoch: In Zukunft werde das Büro zum Hafen und Heimatort zugleich.