Routineaufgaben werden bald die Roboter mit ihrer Künstlichen Intelligenz übernehmen. Dem Menschen bleibt seine Kreatlvität. 
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BerlinFlorian David Fitz macht im erfolgreichsten deutschen Kinofilm des Jahres kurzen Prozess mit dem Smartphone. Als auf dem Bildschirm ein anzügliches Foto aufpoppt, knallt er in der Rolle des Lehrers Pepe Deneke das Gerät auf den Tisch und hofft, das Bild werde dadurch verschwinden. Tut es aber nicht. Macht kaputt, was euch kaputt macht, das hat schon zu Jugendzeiten der Baby-Boomer nicht funktioniert. Hat die Menschheit wirklich nichts gelernt in den vergangenen Jahrzehnten im Umgang mit Maschinen?

Die Szene stammt aus dem Film „Das perfekte Geheimnis“. Freunde legen nach Feierabend beim Abendessen ihre Smartphones auf den Tisch und warten auf Nachrichten und Anrufe. Oder befürchten, dass kleine Botschaften das geheime Liebesleben verraten. Nach Tränen, Wutausbrüchen und Beziehungsstress wirft einer der Darsteller am Ende des Films freudig sein Handy weg. Besser lässt sich unsere Beziehung im 21. Jahrhundert zu moderner Technik nicht darstellen. Nichts ist uns so nahe und vertraut wie die handlichen Geräte und gleichzeitig doch so fremd.

Mensch vs. Maschine

Diese Hassliebe scheint erst der Anfang zu sein, die Technik wird sich noch stärker in unser Leben drängen. Wissenschaftler gehen zurzeit vor allem der Frage nach, ob Menschen intelligente Maschinen kontrollieren werden oder die Technik die Macht auf dem Planeten Erde übernehmen kann. In den meisten Science-Fiction-Filmen ist die Antwort bereits eindeutig ausgefallen, der Mensch wird zum Außenseiter.

Zur Erinnerung: Es ist schon mehr als 20 Jahre her, dass Deep Blue, ein von IBM entwickelter Computer, den damaligen Schachweltmeister Garri Kasparow besiegte. Seitdem hat es bahnbrechende Entwicklungen in der digitalen Technik gegeben, Prozessoren arbeiten schneller, Speicherchips sind kleiner und leistungsstärker geworden.

Und so gewann ein Google-Computer vor drei Jahren den Vergleich gegen den Südkoreaner Lee Sedol im Brettspiel Go, das viel komplizierter ist als Schach. Im Gesundheitsbereich erkennen Algorithmen Krebszellen zuverlässiger als das menschliche Auge, und weltweit wird fieberhaft daran gearbeitet, den Autofahrer durch autonome Fahrzeuge überflüssig zu machen. Der Mensch wirkt blass bei solchen Entwicklungen.

Einfache Sprache lernen

Die wichtigste Frage: Wie wirkt sich das alles auf unsere Arbeit aus? Weil die Digitalisierung in nahezu alle Arbeitsbereiche vordringen wird, mahnen Wissenschaftler dazu, die menschliche Kommunikation zu vereinfachen, sodass Sprachassistenten uns leichter verstehen können.

Der Buchautor Sascha Lobo („Realitätsschock“) hat in einem Interview mit der Berliner Zeitung vor einigen Wochen gesagt, dass weitere Einflüsse schon jetzt zu sehen sind. So werde der Tourenplan eines Paketboten in der Regel von Algorithmen vorgeben, die KI wird also zum Chef. „Wenn Menschen mit Maschinen konkurrieren, dann werden nicht alle sofort arbeitslos, wie oft geschrieben wird. Sie konkurrieren aber zunehmend mit der Maschine und werden dadurch mit immer größerem Druck gezwungen, preisgünstiger zu werden. Wie in allen Stufen der Automatisierung werden altbekannte Kapitalismuseffekte verstärkt“, sagte Lobo.

Die Antwort darauf kann nur menschliche Kreativität sein, sagte Gunther Dueck, Buchautor und früher Manager bei IBM, neulich bei einem Vortrag in Berlin. Schon in der Schule müsste die Originalität und der konstruktive, freudige Wille der Kinder gefördert werden. Also weg mit dem Frontalunterricht. Im erwachsenen Alter müssten Handwerker und Büroangestellte lernen, dass der Dienst nach Vorschrift keine Zukunft hat.

Und wenn nicht? Dann würden Angestellte sich so verhalten, als wären sie schon Computer.