Klug, klüger, Berlin: In der Hauptstadt erforschen Tausende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler täglich Dinge, die das Leben besser machen. Jede Woche stellen wir in unserer neuen Interview-Reihe eine(n) von ihnen vor. Diesmal: Der Informatiker und Linguist Christian Stein (36) von der Humboldt-Universität.

Woran arbeiten Sie gerade?

Ich  erforsche Motivationstechniken und -zyklen, die uns zum Spielen verleiten. Dazu haben wir nach vielen Prototypen das Spiel Singleton als mobile App entwickelt. Es ist eine vollständige Neuentwicklung und soll Menschen helfen, ihre persönlichen Ziele zu erreichen und neue Perspektiven einzunehmen.

Was bringt uns das?

Kaum etwas kann  uns so sehr faszinieren und motivieren wie Spiele. Im Spiel entfalten wir unsere Potentiale, geben unserer Kreativität Raum, trainieren strategisches Denken und stärken unsere sozialen Beziehungen. Und bei all dem empfinden wir Spaß und Freude, obwohl wir hochkonzentriert komplexeste Aufgaben erfüllen. Wenn Spiele so etwas vermögen, können sie vielleicht auch unser Leben, Lernen und Arbeiten verändern. Nicht durch eiserne Disziplin und strenge Pläne, sondern durch Lust und Freude. Ich glaube, dass wir unsere Welt viel mehr als Spiel begreifen sollten – und sie auch entsprechend gestalten können.

Wie könnte man die Welt sonst noch verbessern?

Durch den Willen zur Gestaltung! Unsere Welt ist nicht unverrückbar gegeben, sondern kann gestaltet werden – überall. Begreift man sie als Spielraum, den es zu erschaffen gilt, kann man auch die Regeln ändern. Wir aus dem gamelab.berlin bezeichnen diesen Ansatz als Game Thinking. Dabei geht es darum, Probleme der realen Welt als Spiel zu verstehen und als Game Designer Lösungen zu finden, die Menschen Freude bereiten. Dazu gibt es etablierte Mechanismen und Kriterien, die wir untersuchen. Aber vor allem braucht es das kreative Denken eines Spielers. Spiele machen Probleme für Menschen greifbar und eröffnen echte Handlungspotentiale. In diesem Sinne glaube ich, dass die Welt spielerisches Denken gerade dort braucht, wo alles sehr ernst ist.