Berlin - Während in Europa die meisten Menschen wohl noch in den Halloween-Sonntag hineinschlafen, wird der 51-jährige Saarländer Matthias Maurer ins All fliegen: am 31. Oktober um 7.21 Uhr Mitteleuropäischer Zeit. Wenn alles nach Plan läuft, ist Maurer damit der zwölfte Deutsche im All.

Das Raumschiff „Crew Dragon“, mit dem Maurer in Florida zur Internationalen Raumstation ISS startet, gehört zu SpaceX von Elon Musk. Somit ist Maurer auch der erste Deutsche, der mit einem privaten Raumfahrtunternehmen fliegt. Mit an Bord sind drei Nasa-Astronauten. Die Mission heißt „Cosmic Kiss“, kosmischer Kuss. Der Name sei eine „Bekundung der Liebe zum Weltall“, erklärte Maurer. Er stehe für die Verbindung, die die ISS zwischen den Menschen auf der Erde und dem Kosmos herstelle.

13 Jahre Wartezeit

Die Emotionen sind verständlich. 13 Jahre lang hat Matthias Maurer auf diesen Tag gewartet und hingearbeitet. Der 1970 geborene Saarländer ist promovierter Materialwissenschaftler mit mehreren Wissenschaftspreisen und Patenten. Er war 38 Jahre alt, als er sich 2008 für eine Ausbildung als Esa-Astronaut bewarb – mit 8413 anderen. Als einer von zehn Kandidaten bestand Maurer das Auswahlverfahren, wurde aber zunächst nicht in das Europäische Astronautenkorps berufen. Diesem gehörte als einziger deutscher Neuling Alexander Gerst an, der später als „Astro-Alex“ vor allem auch unter jungen Leuten populär wurde. 

Die Schönheit der Erde genießen

Auch Maurer, 2015 nachnominiert und 2017 in das Astronautenkorps aufgenommen, ist medial aktiv – als „Astro-Matthias“. Er freut sich schon auf die Cupola, die Aussichtskuppel der ISS, in der er „die Schönheit unseres Planeten genießen“ will. Ansonsten erwartet ihn in seinen sechs Monaten auf der ISS ein großer Packen an Arbeit, etwa als „Versuchskaninchen“ – mit vielen Untersuchungen und Tests. Er wird auch zum Verhalten von Feuer in der Schwerelosigkeit forschen und zu neuartigen Materialien.

Beim Entwurf für das Missionslogo hat sich Maurer unter anderem von der etwa 3700 Jahre alten Himmelsscheibe von Nebra inspirieren lassen, der ältesten bekannten konkreten Himmelsdarstellung. Auch eine Art kosmischer Kuss.