Künstlerische Darstellung der Kollision zweier eisiger Himmelskörper bei dem Stern Fomalhaut. Er ist 25 Lichtjahre entfernt und befindet sich im Sternbild Südlicher Fisch.
Foto: ESA, NASA and M. Kornmesser

Tucson/WashingtonDer Sternenhimmel ist um einen Planeten ärmer: Der Exoplanet Dagon, den das Hubble-Weltraumteleskop beim Stern Fomalhaut am Südhimmel fotografiert hatte, ist verschwunden. Zwei Forscher der University of Arizona präsentieren nun eine Erklärung für das rätselhafte Verschwinden. Der Planet war gar keiner, meinen András Gáspár und George Rieke.

Stattdessen habe Hubble vermutlich das Nachspiel einer Kollision zweier Kometen oder anderer eisiger Himmelskörper beobachtet, schreibt das Duo im Fachmagazin PNAS. „Diese Kollisionen sind außerordentlich selten“, betont Gáspár in einer Mitteilung seiner Universität. „Es ist also eine große Sache, dass wir tatsächlich Belege für eine bekommen.“

Fomalhaut ist einer der hellsten Sterne am Südhimmel und etwa 25 Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernt. Ein Lichtjahr ist die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt. Er ist der Hauptstern im Sternbild Südlicher Fisch, sein Name ist arabisch und bedeutet Maul des Fischs. Fomalhaut ist von einer großen Staubscheibe umgeben, potenzielles Baumaterial für ein Planetensystem. 2008 gaben Astronomen bekannt, mit Hubble einen Planeten am inneren Rand dieser Staubscheibe direkt abgelichtet zu haben. Der Planet mit der Standardbezeichnung Fomalhaut b bekam den Namen Dagon.

Sechs Jahre später war der Planet jedoch verschwunden. Gáspár und Rieke analysierten alle verfügbaren Hubble-Archivdaten zu Fomalhaut und stießen auf einige Eigenschaften, die nach Aussagen der Forscher nicht zu einem Planeten passen: Dagon wurde mit der Zeit immer dunkler, leuchtete aber anfangs viel zu hell für einen Planeten, der gar nicht so viel Sternenlicht reflektieren könne.

Dafür war er im Infrarotlicht gar nicht zu sehen, obwohl Planeten durch ihre Eigenwärme auch infrarot strahlen sollten. Schließlich schien sich der Planet auf einer Bahn aus dem Sternsystem hinaus zu bewegen. „Offensichtlich tat Fomalhaut b Dinge, die ein vertrauenswürdiger Planet nicht machen sollte“, sagt Gáspár.

Die genaue Analyse der Beobachtungsdaten führte die Wissenschaftler zu einer anderen möglichen Deutung: Zwei eisige Himmelskörper waren in der Umlaufbahn um Fomalhaut kollidiert. Hubble hat zwar nicht die Kollision selbst gesehen, aber kurz danach zufällig die Trümmerwolke aufgespürt. Diese reflektierte zunächst hell das Sternenlicht, da sie aus großen Mengen kleiner Eis- und Staubpartikel besteht, die typischerweise nur ein tausendstel Millimeter groß sind. Je weiter sich die Trümmerwolke ausdehnte, desto dunkler wurde sie, und heute liegt ihre Helligkeit unterhalb der Nachweisschwelle von Hubble. Im Infrarotlicht leuchtet so eine eisige Trümmerwolke nicht.

Auch die Fluchtbahn lasse sich so verstehen, erläutern die Forscher. Der Druck der Strahlung von Fomalhaut könne eine massive, gerade erst entstandene Staubwolke auf eine Bahn aus der Anziehungskraft des Sterns hinaus befördern. „Unser Modell kann alle unabhängig beobachtbaren Parameter des Systems natürlicherweise erklären: seine Ausdehnungsrate, sein Verblassen und seine Flugbahn“, berichtet Gáspár.

Hubble hätte demnach vermutlich keinen Planeten entdeckt, aber möglicherweise etwas ebenso Bedeutendes: „Das Fomalhaut-System ist das ultimative Testlabor für all unsere Ideen über die Entwicklung von Exoplaneten und Sternensystemen“, erläutert Rieke. „Wir haben zwar Hinweise auf solche Kollisionen in anderen Systemen, aber keine dieser Größenordnung wurde in unserem Sonnensystem beobachtet. Dies ist eine Blaupause dafür, wie sich Planeten gegenseitig zerstören.“ (dpa/fwt)