Die gebürtige Österreicherin Lisa Kaltenegger, 37 Jahre alt, forscht am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg und an der Harvard University in Boston. Wir haben sie am Wochenende auf der Berliner Falling-Walls-Konferenz getroffen, einer Tagung für internationale Spitzenforscher.

Frau Professor Kaltenegger, wenn Sie in den Himmel schauen, finden Sie das dann noch romantisch oder betrachten Sie die Sterne ganz sachlich und wissenschaftlich?

An einem schönen Abend kann ich Sternegucken wie jeder andere einfach nur romantisch finden – und nicht mehr. Es gibt aber natürlich auch die zweite Ebene. Ich gucke in den Himmel und denke: Wow, an dieser Stelle werden gerade neue Sterne geboren. Oder: Da, ein bisschen rechts vom kleinen Wagen, gibt es vielleicht einen Planeten, der so ähnlich ist wie unserer. Der Himmel ist für mich ähnlich wie ein Gemälde. Man kann es einfach nur schön finden, es wird aber noch viel schöner, wenn man etwas über die außergewöhnlichen Farben oder die Maltechnik weiß.

Und Sie wissen ziemlich viel über das Weltall.

Das Tolle ist doch, dass das durch die Wissenschaft heute jeder wissen kann, der sich dafür interessiert. Das Weltall verbindet die Menschen untereinander. Wenn man seinen Blick auf etwas Größeres richtet, vertreibt das die eigenen, kleineren Sorgen.

Sie beschäftigen sich mit Exoplaneten. Was ist das genau?

Ein Planet, der um einen anderen Stern kreist, also um eine andere Sonne als die unsere.

Wie viele kennt man davon ?

Wir finden Hunderte. Ich schaue links, ich schaue rechts – und jeden Tag kann wieder einer dazukommen, der noch spannender ist. Das ist ein buntes Gemisch da draußen. Es gibt Planeten um Doppelsterne, Planeten um einzelne Sterne, es gibt eine Vielfalt. Wir finden Planeten, von denen wir überhaupt nicht gedacht haben, dass es sie geben kann. Solche, die zum Beispiel größer als die Erde sind, trotzdem aber Felsplaneten wie sie. Wir sind die erste Generation, die nicht nur andere Kontinente entdeckt, sondern völlig neue Welten.

Sie sind also eine Art Kolumbus des Weltalls?

Ja. Und dafür muss ich zum Glück nicht einmal monatelang auf ein Schiff. Im All gibt es noch so viele Geheimnisse. Ich bin sehr glücklich, in einer Zeit zu leben, in der wir einige davon lüften können. In der wir Fragen beantworten können, die sich Menschen seit Langem stellen. Sind wir allein im Universum, oder gibt es noch andere Planeten, auf denen Leben möglich ist? Das finde ich einfach wahnsinnig spannend.

Welcher ist denn gerade ihr Lieblingsplanet?

Das ist Kepler-62e, den wir vor zwei Jahren gefunden haben, einer der ersten Planeten, die so richtig in der habitablen Zone liegen, also im richtigen Abstand von ihrem Stern kreisen. Dort ist potenziell Leben möglich. Es gibt Kepler-62e und -62f, die sich ähnlich wie Erde und Mars zueinander verhalten. Ersterer ist ein bisschen heißer als die Erde, Letzterer etwas heißer als der Mars. Beide sind aber größer als die Erde.

Wie findet man diese Planeten, die manchmal Tausende von Lichtjahren entfernt sind? Sie leuchten ja schließlich nicht wie Sterne.

Es gibt hauptsächlich zwei Methoden. Wenn ein Planet um einen Stern kreist, dann zerrt die Schwerkraft des Planeten an dem Stern. Das ist so ähnlich, wie wenn Sie einen Hund spazieren führen. Wenn der Hund an der Leine zieht, lehnt sich das Herrchen zurück, um die Kräfte auszubalancieren. Der Stern lehnt sich auf ähnliche Weise zurück, wenn ein Planet um ihn kreist. Das können wir am Licht des Sternes sehen. Es verschiebt sich ins Rötliche oder ins Bläuliche, je nachdem wie sich der Planet gerade verhält. Wenn sie die Sirene eines Krankenwagens hören, klingt diese auch unterschiedlich – je nachdem, ob der Krankenwagen gerade herkommt oder von ihnen weg fährt. So ist das auch beim Licht. Man kann sehen, dass der Stern wackelt, weil der Planet an ihm zieht. Darüber lässt sich die Masse des Planeten ermitteln.