Das Huawei Mate X, ein faltbares Msartphone wurde auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas, Nevada vorgestellt.
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Las VegasLas Vegas ist ein Ort, der orientierungslos macht. Das Kunstgebilde in der Wüste von Nevada war schon immer dazu gedacht, den Sinn für Raum und Zeit aufzulösen. Wer den Strip, die funkelnde Hauptader der Stadt, hinunterläuft, schwimmt durch ein Meer von hyperrealen LED-Anzeigen, hinter denen sich die Glasfassaden auflösen. Konturen hat nur die ältere Generation an Casinos, welche die Illusion noch in Beton gegossen haben – das New York, New York mit seinem falschen Empire State Building, daneben das Paris und ein paar Meter weiter die Pyramiden von Gizeh.

Die Interieurs machen die Sache nicht besser, die Räume mit den endlosen Spielautomaten, Restaurants und Shopping-Gelegenheiten fließen zu einem einzigen, amorphen Raumbrei zusammen, in dem niemals Tag und niemals Nacht ist. Es ist die perfekte Heimat für die weltweit größte Messe für Verbraucherelektronik, die CES, die vor rund 20 Jahren von Chicago hierhergezogen ist. Die schier endlosen Hallen des Messegeländes von Vegas mit den rund 4000 Ausstellern wirken wie eine Fortsetzung der Stadt. Man verliert rasch die Orientierung, zugleich betört und betäubt von einer unmöglich zu verarbeitenden Flut an Reizen.

Smartwatches messen Strahlen

Von überall her blinken und piepsen einen die Angebote an, die das Leben der Zukunft besser, leichter und schöner machen sollen. Da sind etwa neue Smartwatches, die nicht nur jede körperliche Aktivität tracken, einen durch die Welt navigieren und Biodaten aufnehmen, sondern auch noch Luftverschmutzung und Strahlenbelastung messen.

Da sind die neuen Bildschirme, die sich falten lassen und die ihre Anwendung sowohl im Wohnzimmer als versenkbares Fernsehgerät, als auch beim Laptop für die Manteltasche finden. Da gibt es Duschköpfe mit einem eingebauten Sprachassistenten und Roboter, die eigenständig mit dem Haustier spielen. Nach wenigen Stunden ist das Staunpotenzial des Besuchers erschöpft und es entsteht die Sehnsucht nach einem technologiefreien Raum mit Licht und Luft.

Personalisierte Verbrauchertechnologie

Dort drängt sich dann unweigerlich die Frage auf, auf welche Welt all diese personalisierte Verbrauchertechnologie zusteuert. Die Antwort – oder zumindest eine Antwort – darauf hatte bei seiner Keynote am ersten Abend der Messe Samsung-CEO H. S. Kim, der den Anbruch eines neuen Zeitalters proklamierte. Mit dem Jahr 2020, so Kim, treten wir in die Ära „der Erfahrung“ ein, einer Ära, in der „die Technologie uns individuell versteht und die Art und Weise verändert, in der wir uns mit unserer Umwelt, unseren Städten und unseren Gemeinschaften ins Benehmen setzen“.

Zur Demonstration hat Kim „Ballie“ mitgebracht, einen kleinen kugelförmigen Roboter, der ihm über die Bühne folgt, als persönlicher Assistent dient und ihm Fragen beantwortet. Ballie könnte in der Zukunft jedem Verbraucher das Leben leichter und besser machen und Teil einer Umgebung sein, die seine Bedürfnisse in Echtzeit erfüllt. Kim stellt sich einen Haushalt voller Geräte vor, die alle klug sind und alle miteinander kommunizieren. Und diese Welt ist nicht an der Türschwelle zu Ende.

Auch die Städte der Zukunft, mit 5G und Bluetooth ausgestattete Netzwerke kluger Geräte, bilden eine intelligent vernetzte Welt der Dinge. Deshalb investiert nicht nur Samsung in 5G und in Künstliche Intelligenz. Schon auf dem Parkplatz der CES kann der Besucher einen Container betreten, in dem Google das durch seinen neuen Google Assistant gesteuerte intelligente Heim der Zukunft betreten kann.

"Smart Cities" und Datenschutz sehr relevant auf der CES 

Eine ganz Halle wurde gar dem Thema der „Smart Cities“ gewidmet. Aussteller von Plattformen für die Nutzer elektrischer Fahrzeuge aller Art bis hin zur US-Heimatschutzbehörde zeigen dort, wie sie unsere Städte in einen Mischraum von Realität, augmentierter Realität und virtueller Realität verwandeln wollen. Natürlich waren Datenschutzbedenken angesichts all dieser Vernetzung und beschleunigten Datenerhebung auch in Las Vegas ein Thema. Es gab Diskussionsforen zwischen Firmen-Verantwortlichen und Politikern und Round-Table-Gespräche von Werbeexperten.

Der amerikanische Verbraucher als solcher scheint jedoch weiterhin eher sorglos. Viele Besucher nutzten gerne die Möglichkeit, sich mithilfe von Gesichtserkennung Zugang zum Messegelände zu verschaffen. Ein Kamerahersteller gab zu, dass die wenigsten Kunden dazu bereit wären, für Datensicherheit mehr Geld zu bezahlen. „Sie wollen vor allem etwas Neues, Frisches.“ So gehörte zu den großen Hits der Touchscreen-Projektor der Firma Hachi. Der Projektor kann aus dem Küchentisch oder Schreibtisch einen Touchscreen machen.

Der ganz große Hingucker war allerdings das Konzeptauto AVTR von Mercedes. Der Stand des Stuttgarter Herstellers war rund um die Uhr belagert, um einen Blick auf die Wundermaschine zu erhaschen.

Die unverwechselbare Inside-Out-Designstruktur verbindet sich innen und außen zu einem emotionalen Ganzen und wurde von mehreren Kreaturen aus dem Film „Avatar“ inspiriert. // The distinctive inside-out design structure combines inside and outside into an emotional whole and was inspired by several creatures from the movie “Avatar”.

Video: Mercedes-Benz

Ein Auto wie ein Fabelwesen

Das Auto, das zu Hundert Prozent elektrisch fährt und zu 95 Prozent wiederverwertbar ist, mutet an wie ein Fabelwesen aus einer anderen Welt. Und das soll auch so sein – die Designer haben sich von dem Science-Fiction-Blockbuster „Avatar“ inspirieren lassen. Im Cockpit fehlen sowohl Gaspedale als auch Lenkrad, als auch ein Armaturenbrett im herkömmlichen Sinn.

Man legt lediglich die Hand auf die Konsole, um zu starten und kann durch Kippen das Gefährt nach rechts und links befördern oder beschleunigen. Der Rest macht das Auto selbst. Icons werden auf die Handfläche projiziert, der Fahrer kann durch das Ballen der Faust Befehle erteilen oder Informationen abrufen. Ob man sehen will, was auf der Straße passiert, ob man per AR (Argumented Reality) erleben will, was man an der Umgebung nicht sehen kann oder ob man sich in eine ganz andere Realität transportieren lassen möchte, kann man sich ebenfalls aussuchen.

So stellt man sich bei Daimler den Transport im Jahr 2040 vor, zumindest im Luxussegment. Es ist genau die Welt, die H. S. Kim imaginiert, die sich völlig dem Verbraucher anpasst und die sämtliche Grenzen zwischen Realität und Virtualität niederbricht. Es ist im Grunde wie eine Fahrt den Strip von Las Vegas hinunter. Geht es nach der Branche, wird in 20 Jahren Las Vegas überall sein.