Berlin - „Wir dachten, wenn Menschen in Labors kommen wollen, um Wissenschaftler zu treffen, warum nicht Wissenschaftler zu Menschen bringen?“ Das fragten sich 2012 die Neurobiologin Praveen Paul und der Nanobiologe Michael Motskin vom Imperial College London. Sie wollten mit interessierten Leuten über ihre neuesten Forschungen zu Parkinson, Alzheimer und Multipler Sklerose reden. Aus diesem Ansatz ist das Festival „Pint of Science“ entstanden, das jährlich im Mai in etwa 400 Städten in 30 Ländern der Welt stattfindet. So auch in diesem Jahr vom  17. bis 19. Mai in Berlin. 

„Pint of Science“ – dahinter steht die Vorstellung, dass man sich mit Forschern zum Bier in der Kneipe trifft. Da dies zurzeit wegen der Pandemie nicht möglich ist, findet das Festival wie schon im vergangenen Jahr im Internet statt. Unter https://pintofscience.de kann man sich eine der kostenlosen Online-Veranstaltungen aussuchen, und schon ist man dabei – ob mit oder ohne Bier. In den Vorträgen von neun Berliner Wissenschaftlern geht es um die Oberthemen „Progressive Transformation und Überleben“, „Nachhaltige Kultur und Gesellschaft“ und „Wunder der Wissenschaft und der Natur“. 

Franziska Sattler
Als die Kneipen noch offen waren, waren die Veranstaltungen von „Pint of Science“ stets ausverkauft. Dieses Jahr finden sie digital statt.

„Wir wollen Raum schaffen, um um Wissenschaftler und Interessierte zu animieren, miteinander ins Gespräch zu kommen“, sagt Juliane Meißner, Koordinatorin im international besetzten, achtköpfigen Berliner Team von „Pint of Science“. Die Vorträge sollen Lust auf Wissenschaft machen und zugleich ganz aktuelle Fragen in den Mittelpunkt stellen, die die Leute interessieren. In den Vorträgen geht es etwa um „Pflanzen als Eindringlinge: fremde Pflanzen in unserer Umwelt“, also ein großes ökologisches Problem des Klimawandels, um „Medizinische Implantate der Zukunft“ und die Erforschung Schwarzer Löcher im Universum.

Die Online-Veranstaltungen richten sich an Interessierte in Berlin und weit über Berlin hinaus. Deshalb finden sechs Vorträge in Englisch statt. Auf Deutsch zu hören sind die drei Vorträge am 18. Mai zu den Themen: „Kapitalismus: sein Image, seine Aufgaben, seine Zukunft“ (Christoph Sorg, HU Berlin), „Gehöre ich dazu? Die Bedeutung kultureller Identität“ (Martin Lüthe, FU Berlin) und „Der Wald – eine Klimaanlage in der Klimakrise“ (Jeanette Blumröder, Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde).

„Wir haben uns gefragt: Wie können wir noch offener sein und noch mehr Menschen außerhalb der Wissenschaftsgemeinde erreichen“, sagt Juliane Meißner. Auch bei vielen Wissenschaftlern spürt sie Lust, an dem experimentellen Format teilzunehmen. Die lockere Atmosphäre des Zusammenseins in einer Kneipe soll auch ins Digitale übertragen werden. Forscher und Interessierte sollen auf Augenhöhe miteinander ins Gespräch kommen.