Berlin -  Der Kopf ist manchmal ein seltsamer Verräter. Parkplatz gefunden, damit pünktlich zur Verabredung eingetroffen, erstes Kaltgetränk bestellt. Alles gut. Alles gut? Dann meldet der Kopf sich mit der Frage, ob das Auto auch abgeschlossen ist. Und das Bauchgefühl weiß das auch nicht.

Im alten Leben hätte der Autobesitzer zurück zum Auto gehen müssen. Aber nicht heute. Gemeinsam mit Fiat hat Google eine Möglichkeit geschaffen, eine digitale Abfrage über die Assistant-Technologie zu generieren. Ist der Tank auch voll genug für die lange Fahrt am nächsten Tag? Auf dem Handy findet sich die Antwort. Auch eine Richtgeschwindigkeit lässt sich festlegen, falls der skeptische Besitzer anderen Fahrern nicht traut. 

Das Beispiel zeigt, wie die Auto-Industrie und die Tech-Branche immer weiter zusammenwachsen. Und jetzt steht die nächste Branchenshow an, die Internationale Automobil-Ausstellung. Die klassische PS-Schau mit polierten Karossen in Messehallen ist in München stark verkleinert und an den Rand gerückt. Mitten in der Stadt, rund um den Marienplatz, planen der Branchenverband VDA und die Messe München als Veranstalter ein Mobilitäts-Festival – mit möglichst viel Bürgerbeteiligung, Diskussionen und Gelegenheiten, ein selbstfahrendes Elektro- oder ein Wasserstoffauto in der Stadt auch einmal selbst auszuprobieren. Fahrradhersteller sind auf dieser „IAA Mobility“ vom 7. bis zum 12. September ebenso vertreten, Umweltschützer zu den Foren eingeladen.

Das von den Linken, Attac, Verdi und Fridays for Future in München unterstützte Bündnis noIAA hat allerdings bereits Proteste angekündigt: „Die IAA will uns öffentliche Plätze nehmen? Nicht mit uns!“, heißt die Botschaft.

Das Programm zeigt, dass die Zukunft sich um Vernetzung und Dienstleistungen dreht: Bis das fahrerlose Auto Alltag ist, wird es zwar noch einige Zeit dauern, aber es wird die ganze Branche umkrempeln. Die Autobauer wollen nicht nur den Blechmantel für Dienstleistungen von Google, Apple, Huawei und Co. liefern. Wenn Kunden überall online sind, wird das Fahrzeug zum rollenden Unterhaltungs- und Kommunikationsgerät. Milliarden fließen in die Entwicklung von Schnittstellen, über die Nutzungsdaten, persönliche Dienste und Software-Updates ausgetauscht werden.

Ein zweiter Megatrend: Wer mobil sein will, muss nicht unbedingt ein Auto besitzen. Man kann es auch nur mieten, wenn man es braucht. Die Konzerne erproben daher viele Modelle – vom minutengenau abgerechneten Carsharing in Großstädten über Auto-Vermietung, Fahr- und Taxidienste bis zu Kurzzeit-Abos und flexiblem Leasing.

Bleibt die Frage, wann denn endlich die selbstfahrenden Autos kommen, denn dass die Digitalisierung die Branche längst erreicht hat, machen Zahlen deutlich: Vier von fünf Autoherstellern und Zulieferern (83,4 Prozent) gaben im Juli bei einer Umfrage des Ifo-Instituts in München an, sie litten unter einem Mangel an Vorprodukten. Im April waren es knapp 65 Prozent gewesen. Es fehlt vor allem an Computerchips.

Zum Thema selbstfahrende Fahrzeuge sagte VW-Vorstandschef Herbert Diess im Juli, dass der technische Fortschritt „momentan sehr schnell“ sei. „Aber die Sicherheitshürden sind auch groß – und die Sonderfälle, die einem auf der Straße passieren können, sind viele.“ Die Antwort, wann autonome Fahrzeuge denn wirklich unterwegs sein werden, blieb er schuldig: „Das ist schwer abzuschätzen.“